zurück Übersicht weiter

REICHTUM AN VIELFALT


Der Frühling in seiner Blütenpracht bietet jedes Jahr einen Anlass, über das Leben und seinen Reichtum an Vielfalt zu staunen. In manchen "Wissenschaften" wird das anders gesehen. Regelmäßig erscheinen Statistiken und "Studien", die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Das seltsamste Märchen, das uns regelmäßig präsentiert wird, ist die Legende, wonach die Unterschiede zwischen den Menschen so minimal sind, dass sie eigentlich gar nicht existieren. Mit anderen Worten: Wir sind alle so gleich, dass wir fast schon eine humane Monokultur bilden. Unterschiede wie Geschlecht, Körpergröße, Blutgruppe usw. sind zu vernachlässigende "Konstrukte". 

Es sei ein Vergleich mit der Automobilindustrie gestattet, um zu zeigen, wo die Denkfehler liegen. Wir betrachten drei PKW-Modelle, sagen wir einen Smart, einen Ford Focus und einen BMW X5. Diese Modelle sehen so verschieden aus, dass jede Verwechslung ausgeschlossen ist. Trotzdem lässt sich "beweisen", dass sie fast gleich sind. Wir verwenden eine Liste und beginnen der Reihe nach abzuhaken. Alle haben vier bereifte Räder. Hier herrscht also Gleichheit. Alle haben ein Getriebe, alle haben eine Vorder- und eine Hinterachse, alle werden von Verbrennungsmotoren angetrieben, alle haben ein Lenkrad, zwei Außenspiegel, ein Armaturenbrett, Wasserkühlung usw. Wir sehen anhand der Liste, dass es so gut wie keine Unterschiede gibt. Am Ende kommen wir zum statistisch belegbaren Ergebnis, dass die drei PKW-Modelle sich zu mehr als 99% gleichen. Unterschiede wie Radstand, Verbrauch, Kofferraumvolumen, Anzahl der Ventile usw. werden dabei als zu vernachlässigende "Konstrukte" nicht gewertet.

Tatsächlich gibt es zwischen den PKW-Modellen erhebliche Unterschiede, eine Begründung erübrigt sich. Die "wissenschaftliche" Erkenntnis der Beinahe-Gleichheit ist nichts anderes als eine Folge oberflächlicher Vergleichsmethoden.

Wir wissen noch nicht genau, wie viele Gene unser Leben steuern, aber Genetiker kennen das Maß an Verschiedenheit, den "Heterozygotiegrad". Er liegt bei mindestens 5 Prozent. Das bedeutet, dass 5 Prozent aller Gene in der menschlichen Art in verschiedenen Ausführungen vorliegen. Der Genetiker spricht von "unterschiedlichen Allelen". Das Blutgruppensystem des Menschen liegt zum Beispiel in Form der Allele A1, A2, B, und 0 vor.

5 Prozent klingt bescheiden, trotzdem sind die Kombinationsmöglichkeiten astronomisch hoch. Es kann mehr verschiedene Menschen geben als Atome im Universum existieren. Auch die Aufteilung der Gene ist nicht gleichmäßig. Jede Bevölkerungsgruppe und jedes Geschlecht zeigt ein anderes Verteilungsmuster. Demnächst mehr dazu.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz