zurück Übersicht weiter

GENIES IM KRIEG (3)


Budapest war während der letzten Jahre der Donaumonarchie ein Zentrum der Naturwissenschaften und der Technik. Elitäre Schulen und Universitäten wirkten auf Intellektuelle besonders anziehend. Ungarn könnte heute noch ein wissenschaftliches Weltzentrum sein, wenn es nicht den gleichen Fehler begangen hätte, wie zwanzig Jahre später Adolf Hitler. Nach dem ersten Weltkrieg verwandelte sich Ungarn unter dem Regime von Miklós Horthy in einen autoritären Staat. Die ideologische Nähe zum faschistischen Italien und später zum nationalsozialistischen Deutschland führte zur Vertreibung genialer Juden. Viele von ihnen wanderten aus, einige zogen in den Krieg der Genies.

Robert Capa hieß ursprünglich Endre Ernő Friedmann. Er floh nach einer Inhaftierung vor dem Horty-Regime nach Deutschland, begann ein Studium, arbeitete nebenbei als Fotolaborant und fotografierte Straßenkämpfe zwischen linken und rechten Arbeitern. Nachdem Hitler an die Macht gekommen war, floh er nach Paris und lebte von Gelegenheitsarbeiten. Als der spanische Bürgerkrieg ausbrach, ging er nach Spanien. Die europäische Presse berichtete ausführlich, aber es fehlten Bilder. Nach anfänglichen Misserfolgen nahm Endre Friedmann den Namen Robert Capa an und behauptete, amerikanischer Fotograf zu sein. Von da an hatte er mit neuem Namen und mit seinem Instinkt für rasante Fotos großen Erfolg. Er war immer direkt am Geschehen, seine Bilder zeigten kämpfende und sterbende Männer aus nächster Nähe. Später trat Capa in den Dienst der US-Army. Er war so tollkühn, dass er mit einer simplen Kamera "bewaffnet" gemeinsam mit amerikanischen Soldaten in ein Landungsboot stieg, am "Omaha Beach" an Land ging und mitten im Kugelhagel unvergessliche Bilder schoss. Capas Bilder festigten seinen Ruhm als Kriegsberichterstatter und hinterließen bei der amerikanischen Bevölkerung einen nachhaltigen Eindruck.

Nach dem Krieg gründete Robert Capa in Paris die Fotoagentur "Magnum". 1954 wurde er vom Magazin "Life" als Berichterstatter nach Indochina geschickt, wo er von einer Landmine getötet wurde.

Michael Curtiz (bürgerlich Mihály Kertész Kaminer) kam über Wien nach Hollywood. Er drehte über 160 Filme, die meisten von ihnen waren erfolgreich. Während des 2. Weltkrieges setzte er seine Kreativität für die Warner Studios ein, die amerikanische Propagandafilme drehten. Sogar sein Film "Casablanca" transportierte eine Botschaft: Auch die Liebe muss dem Krieg geopfert werden, wenn es gilt, gegen das Böse zu kämpfen.

Curtiz und Capa waren zwei Genies, die mit ihren Fotos und Filmen die Welt veränderten. Ihre wuchtigen Bilder waren Vorbild für Film- und Reportergenerationen bis zum heutigen Tag.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz