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EIN DENKMAL FÜR HITLER


Es begann mit dem Philosophen Platon, der empfahl, gegen Atheisten gewaltsam vorzugehen und jeden unreligiösen Materialismus zu verbieten. Freiheit war für Platon Gesetzlosigkeit, Gleichheit vor dem Gesetz Unordnung. Er schlug vor "… den Staat um seines Besten willen zu reinigen, indem er einige seiner Bürger tötet oder deportiert." Platon empfahl damit, Abweichler als Feinde des Staates zu beseitigen. Dieser Gedanke wurde in den letzten zweitausend Jahren regelmäßig ernst genommen.

Die Beseitigung gebildeter Bürger war immer die wichtigste Maßnahme, den Traum vom "neuen Menschen" zu verwirklichen. Das Ergebnis war jedes Mal ein Desaster. Auch die Kirche hatte versucht, unbotmäßige Wissenschaftler zu disziplinieren. Der Astronom und Physiker Galileo Galilei wurde verurteilt, nachdem er ein von der Kirche abgelehntes Modell unseres Sonnensystems propagiert hatte. In der Folge wanderten die modernen Naturwissenschaften auf die britischen Inseln aus, denn die anglikanische Kirche jagte keine Ketzer. Es war kein Zufall, dass die industrielle Revolution in Großbritannien ihren Anfang nahm. Kontinentaleuropa folgte mit Verspätung.

Der Diktator Pol Pot wollte in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts in Kambodscha eine kommunistische Gesellschaft errichten. Mit Hilfe seiner "roten Khmer" ließ er alle ermorden, die eine mittlere oder höhere Bildung besaßen. Der Rest sollte dann das Rohmaterial einer neuen "gerechten" Gesellschaft bilden. Am Ende hatte die Hälfte der Bevölkerung einen gewaltsamen Tod erlitten. Übrig blieb ein ruinierter Staat mit schwer traumatisierten Menschen.

Stalin ließ Intellektuelle genauso verfolgen wie Hitler. Die beiden Despoten hatten jene Leute auf dem Radar, die ihren Ideen im Wege standen. Hitlers Treibjagd auf Juden führte zu einem Massenexodus. Nicht nur jüdische Wissenschaftler wanderten aus, sondern auch nichtjüdische Kollegen, die als "Gesinnungsjuden" beschimpft wurden. Der in die USA geflüchtete Atomphysiker Eugene Wigner sagte einmal: "Die USA sollten für Hitler ein steinernes Denkmal errichten als Dank für seinen Beitrag zum Fortschritt der amerikanischen Naturwissenschaften. Nicht einmal Stalin hat so viele Forscher vertrieben wie Hitler." Heute sind die USA die naturwissenschaftlich-technische Führungsnation.

Manche können oder wollen nicht aus der Geschichte lernen. Sogar heute noch werden Intellektuelle gejagt. Der Theokrat Recep Tayyip Erdoğan ließ erst kürzlich Wissenschaftler verhaften und vermeintlich gottlose Lehrpläne "korrigieren". Diese Intellektuellenjagd wird der bereits angeschlagenen Türkei weiteren schweren Schaden zufügen - auf Jahrzehnte hinaus.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz