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WELTRAUMSCHROTT


Einige wenige Satelliten können wir mit bloße Auge sehen. Meist werden sie mit hochfliegenden Flugzeugen verwechselt. Heute bewegen sich in der Erdumlaufbahn hunderttausende Objekte. Das hat sich zu einem so großen Problem entwickelt, dass Hollywood darauf aufmerksam wurde und einen Film produziert hat: "Gravity" mit Sandra Bullock als Astronautin zeigt die verheerenden Ausmaße einer Kollision zweier Satelliten.

Die erdnahen Satellitenbahnen sind voll Schrott: Vergessene Handschuhe, Werkzeug, Raketenstufen, Verkleidungsteile und Trümmer. Der erste künstliche Satellit, "Sputnik 1", war kein Problem. Er verglühte nach wenigen Wochen in der Atmosphäre. Inzwischen schwirren tausende Bruchstücke herum. Verschärft wurde die Lage 2007, als China eine Machtdemonstration durchführte und in 800 km Höhe einen eigenen Satelliten abschoss, der in 3.000 Teile zerbrach. Auch die USA und Russland haben Satelliten zu Testzwecken abgeschossen, das geschah aber in nur 200 Kilometern Höhe. Die Entfernung war so gering, dass die Reste nach ein paar Wochen in der Atmosphäre verglühten.

Das "Space Surveillance Network" (SSN) besteht aus 17 Radaranlagen und 8 Teleskopen. Auch ein weltraumgestützter Sensor, das Space Based Visible Teleskop, wird zur Beobachtung eingesetzt. Es geht darum, Satelliten und Trümmer in der Erdumlaufbahn zu erfassen, die mindestens die Größe einer Getränkedose haben. Kleinere Objekte bleiben unsichtbar. Techniker hatten nach der Reparatur des Weltraumteleskops "Hubble" in den Solarzellen über 600 Einschläge festgestellt.

NASA-Astronom Donald Kessler stellte Berechnungen an und kam zum Ergebnis, dass schon die Kollision zweier Satelliten eine Kettenreaktion auslösen könnte. 2009 hatte ein abgeschalteter russischer Kosmos-Satellit einen aktiven amerikanischen Iridium-Satelliten gerammt und zertrümmert. So ein Ereignis wird im erwähnten Film "Gravity" anschaulich dargestellt. Wie ernst die Lage jetzt schon ist, zeigt die Tatsache, dass die Raumstation ISS im Jahr 2014 dreimal größeren Geschoßen ausweichen musste. ISS-Astronautin Sandra Magnus berichtete in einem Interview, dass sie im März 2009 sogar in eine der Sojus-Kapseln flüchten musste. Der anfliegende Schrott verfehlte die ISS nur knapp. Aus diesem Grund soll bis 2019 ein extrem leistungsfähiges RADAR-System entwickelt werden. Dieses "Space Fence" der US-Army wird ein Vermögen kosten.

Alles, was in bis zu 1.000 Kilometern Höhe die Erde umkreist, wird im Laufe der nächsten Jahrhunderte herabstürzen. Wird es zuvor zu Kollisionen kommen, müssten wir möglicherweise ganze Satellitensysteme abschreiben, darunter vielleicht sogar das GPS-System.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz