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ADAM UND HAWA (2)


Die an der Universität Wien kürzlich erschienene Arbeit "Die Vereinbarkeit der wissenschaftlichen Evolutionstheorie mit dem Islam" enthält nicht nur Mythen des Koran, wie die Erschaffung der ersten Menschen "Adam und Hawa", sondern auch Berichte über die Geschichte der Wissenschaften in islamischen Ländern.

Nach dem Mittelalter zündeten in Europa drei kulturelle Feuer, die Renaissance, die Barockzeit und daran anschließend die Zeit der Aufklärung. Die Umwälzungen erfolgten schnell, für manche Zeitgenossen zu schnell. Die Kirchen (nicht nur die katholische) und einige Vertreter der Philosophie stemmten sich eine Zeitlang vergeblich gegen einige Neuerungen, letztlich behielten die Wissenschaften die Nase vorne. Dieses Vorwärtsstürmen des Wissens brachte auch Bedrohliches, wie etwa die Atombombe, aber viele von uns wären nicht mehr am Leben ohne die moderne Technik. Kunstdünger, Röntgenapparat, Antibiotika und Kernspintomograph haben dazu beigetragen, dass wir heute älter werden als je zuvor.

Ab dem 8. Jahrhundert kam es im Islam zu einer kulturellen Blüte. Es gab dafür mehrere Gründe, wie die Entstehung von Städten und ferne Handelsbeziehungen. In Turgut Demiricis Arbeit heißt es: "Mit wenigen … Ausnahmen lebten nahezu alle muslimischen Gelehrten, die in Philosophie und Wissenschaft grandiose Leistungen erbringen konnten, und mit deren Namen die Muslime sich heute noch gern schmücken – u.a. Dschabir ibn Hayyan (gest. um 815), al-Chwarizmi (gest. um 850), al-Farabi (gest. 950), … Ibn Sina alias Avicenna (gest. 1037), Omar Khayyam (gest. 1131), Ibn Ruschd alias Averroës (gest. 1198) – in diesem goldenen Zeitalter zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert."

Das besagte "goldene Zeitalter" hätte im Morgenland – vergleichbar der Renaissance in Europa - zu einer Entwicklung von Wissenschaft und Kultur führen können, ab dem 13. Jahrhundert ging es mit den Wissenschaften und der Philosophie im Islam jedoch bergab. Verschiedene Ursachen waren maßgeblich, der Hauptgrund war das Erstarken radikal-fundamentalistischer Theologen: "Rationalistische Gelehrte, die am Hofe von al-Ma'mun ihre Berühmtheit erlangten … mussten um ihr Leben fliehen, als der konservative al-Mutawwakil Kalif wurde. Alle Schulen wurden geschlossen, Dichtung, Wissenschaft und Philosophie wurden angeklagt, die Rationalisten wurden aus Bagdad vertrieben." 

Vom damaligen kulturellen Niedergang haben sich die islamischen Länder nie gänzlich erholt. Die interessante Masterarbeit "Die Vereinbarkeit der wissenschaftlichen Evolutionstheorie mit dem Islam", verfasst von Turgut Demirici, kann auf der Internetseite www.bio.vobs.at als Textdatei geladen werden.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz