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WESTLICHE WERTE


Der Begriff der "westlichen Werte" taucht regelmäßig in TV-Diskussionen auf, wenn einer der Anwesenden zum wiederholten Mal das Thema bemüht, was oder wer zu uns passt oder nicht. Meist ist dann etwas diffus von Demokratie die Rede, was oft Verwirrung schafft, weil sich auch Nationalsozialisten und Sowjetkommunisten für demokratisch legitimiert hielten. Es gab ja Parlamente. Weiter als zum verschwommenen Demokratiethema oder zur Frage, ob Schweinefleisch in Schulkantinen angeboten werden darf oder Kreuze abgenommen werden müssen, ist noch keine TV-Debatte vorgedrungen.

Westliche Werte, was ist das? Das Abendland wurde durch zwei markante Epochen geprägt: Die Renaissance (nördlich der Alpen die Barockzeit) und das Zeitalter der Aufklärung. Für die Renaissance stehen Namen wie Leonardo da Vinci, Michelangelo, Tizian, Giotto die Bondone und viele andere. Große Persönlichkeiten der Aufklärung waren Johann Wolfgang von Goethe, Isaac Newton, David Hume, François Marie Arouet, genannt Voltaire, Emilie de Chatelet, Immanuel Kant und andere. Diese wurden französisch "Les philosophes des Lumières", englisch "Enlightenment figures" und niederländisch "Verlichtingsdenkers" genannt. Sie propagierten das eigenständige Denken und brachten der Menschheit das Licht der Freiheit – etwas, das heute selbstverständlich ist. Das freie und autonome Denken in Kunst und Wissenschaft ist eine Erfindung des europäischen Abendlandes.

Freiheit hat unausweichlich Verschiedenheit zur Folge, daher musste das Prinzip der Toleranz eingeführt werden. "Tolerare" (lateinisch) bedeutet "etwas ertragen". "Tolerans", von dem sich der Begriff Toleranz ableitet, heißt "geduldig". Der tolerante Mensch erträgt also geduldig jede andere Meinung, solange damit niemandem in irgendeiner Weise Schaden zugefügt wird. Religionsfreiheit ist eine Folge von Demokratie und Toleranz, daher darf sich in den abendländischen Demokratien jeder Bürger zu einer Religion bekennen. In Ländern, in denen das nicht möglich ist, gibt es keine westlichen Werte.

Freiheit und Toleranz sind keine Errungenschaften, die sich das Abendland für immer erkämpft hat. Diese Werte werden seit dem Zeitalter der Aufklärung fortwährend bedroht. Nationalsozialismus und Kommunismus waren die zwei großen Reiche des Bösen im 20. Jahrhundert. Heute bedroht uns der Islamismus, der nicht nur in Form des Terrorismus auftritt. Der Islamismus vergiftet – so wie jede andere Ideologie - auch das selbständige Denken. Öffentliche Anweisungen, was wir tun sollen, was wir essen sollen, was wir glauben sollen, wie wir reden sollen und wen wir wählen sollen, entsprechen nicht abendländisch-westlichen Werten.




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz