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WARHEADS


US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump soll in einem Gespräch mit seinen Beratern gesagt haben, dass die USA über Atomwaffen verfügen, und – damned, why don't we use them? Vielleicht hat Trump diesen Satz sinngemäß so gesagt, vielleicht auch nicht. Entscheidend ist, dass ihm diese Äußerung zuzutrauen ist. Noch viel entscheidender ist aber, dass die heutige junge Generation kaum eine Ahnung hat, wie groß das atomare Vernichtungspotential ist.

Es gab vor und nach dem Zusammenbruch des Kommunismus mehrere nukleare Abrüstungsprogramme. Die SALT-Gespräche (Strategic Arms Limitation Talks) zwischen den USA und der Sowjetunion fanden von 1969 bis 1979 statt und führten zur Unterzeichnung der SALT-Verträge. Es waren die ersten atomaren Begrenzungsverträge. Später folgten START I, START II und New START (Strategic Arms Reduction Treaty). Diese Abkommen wurden 1982 von US-Präsident Ronald Reagan angeboten und später in den Jahren 1991 und 2010 von den Präsidenten Bush und Obama sowie Gorbatschow und Medwedew unterzeichnet.

Die Zahl der nuklearen Sprengköpfe („Warheads“) wurde inzwischen reduziert. Was übrig blieb, ist nach wie vor einschüchternd. Die Sowjetunion reduzierte zunächst ihr nukleares Arsenal von 6.626 auf 2.300 Megatonnen Sprengkraft, die USA von 2.360 auf knapp 1.900 Megatonnen. Eine Megatonne entspricht 70 Hiroschimabomben. Die Sowjetunion reduzierte die Zahl der einsatzbereiten Gefechtsköpfe von rund 22.000 auf 8.000, die USA verringerten von 21.000 auf 12.000. Im Rahmen von „New START“ wurde nochmals auf rund 2.800 (Russland) und 2.200 Sprengköpfe (USA) reduziert. Nicht in der Rechnung enthalten sind die Atomwaffen von Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan und Israel.

Die USA und Russland haben heute zusammen Atomwaffen mit insgesamt knapp 4.200 Megatonnen Sprengkraft. Ein „Warhead“ mit einer halben Megatonne Sprengkraft könnte eine Großstadt samt Bewohner verdampfen lassen. Im Stafford Air & Space Museum (Weatherford, Oklahoma), im Bradbury Science Museum (Los Alamos, New Mexico) und im National Museum of Nuclear Science & History (Albuquerque, New Mexico) sind nachgebaute und echte (ausrangierte) Atombomben ausgestellt. Ein „W-87“ Sprengkopf einer Interkontinentalrakete mit einer halben Megatonne Sprengkraft ist ungefähr 2 Meter hoch und passt ohne weiteres in einen Kleintransporter. Nicht auszudenken, wenn Terroristen so ein Ländervernichtungsmittel in die Hände bekämen.

Wir haben die nukleare Bedrohung verdrängt. Politiker, die laut über den Einsatz von Atomwaffen nachdenken, müssten radikal geächtet werden. Das ist nicht nur eine Frage der Moral. Es ist eine Überlebensfrage.




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz