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ERGEBNISGLEICHHEIT


Die olympischen Sommerspiele in Rio sind vor einem Monat zu Ende gegangen. In Kommentaren wurde das schwache Abschneiden österreichischer Sportler bei diesen und vorangegangenen Spielen beklagt. Unser Land hat aber auch auf anderen Gebieten abgebaut.

Die Nobelpreisträgerstatistik (Medizin/Physiologie, Chemie, Physik) von 1901 bis 1915 sieht von Platz eins bis fünf so aus:  Deutschland 15, Frankreich 11, Großbritannien 7, Niederlande 5, Schweden 3. Die Statistik von 2001 bis 2015 sieht anders aus: USA 43, Großbritannien 13, Japan 11, Deutschland 7, Frankreich 6. Österreich liegt in der ewigen Nobelpreisträgerwertung, in der auch Halb- und Drittelpreise gezählt werden, auf Platz 11, wobei fast alle Preise vor dem 2. Weltkrieg verliehen wurden. Danach versank Österreich in die Bedeutungslosigkeit. Andere Länder wurden dagegen immer erfolgreicher.

In allen Listen und Rankings, in denen es um Forschung und Lehre geht, lässt Österreich kontinuierlich nach. Der Humangenetiker Markus Hengstschläger brachte es auf den Punkt: „Wir sitzen in der Durchschnittsfalle“. Die oberste Maxime unseres Bildungssystems ist der durchschnittliche Bürger, der seine Sache gut macht. Außergewöhnliche Stärken würden laut Hengstschläger nicht gefördert, sondern als störend empfunden. David Alaba wäre in einem österreichischen Verein ein brauchbarer Fußballspieler geworden, niemals aber einer der weltbesten Verteidiger.

In Österreich erschallt, wenn es ein Problem gibt, augenblicklich der Ruf nach der Geldgießkanne. Das ist naiv, denn Geldverstreuen allein bewirkt nichts. Einstein war von 1910 bis 1912 Professor an der deutschen Universität Prag. Er fühlte sich dort nicht wohl und verließ Prag wieder. Geld war nicht das Thema. Als Einstein Nazi-Deutschland den Rücken kehrte, konnte er sich jede Universität aussuchen. Er wählte die Eliteschmiede Princeton, Geld spielte wieder nur eine untergeordnete Rolle. Nobelpreisträger Richard Feynman entschied sich am Höhepunkt seines Ruhmes, am „California Institute of Technology“ in Pasadena zu unterrichten und zu forschen, obwohl andere Universitäten deutlich mehr geboten hatten. Nachdem der österreichische Gewichtheber Matthias Steiner für Deutschland mehrere Spitzenplätze, darunter eine olympische Goldmedaille, erkämpft hatte, sagte er sinngemäß, das fördernde sportliche Umfeld in Österreich sei dilettantisch.

Chancengleichheit ist für jedes Land wichtig. Wenn aber Chancengleichheit zur Ergebnisgleichheit verkommt und das Mittelmaß zur Norm wird, dann können daraus weder Nobelpreisträger noch sportlichen Sieger entstehen. Marcel Hirscher ist nur die Ausnahme dieser eisernen Regel.




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz