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GLAUBE UND WISSEN


Kann man (religiösen) Glauben und Wissenschaft in Einklang bringen? Die Antwort ist einfach. Wenn der Glaube für absolut unfehlbar gehalten wird, wenn er also dogmatisch ist, dann gibt es keine Versöhnung zwischen Glauben und Wissen. Wissenschaft ist offen, und das bedeutet, dass auch der Irrtum seinen Platz haben darf. Der große Philosoph Sir Karl Popper meinte sogar, dass „wir uns empor irren“.
 
Im Mittelalter hat die Kirche erkannt, dass die Bibel zur Erklärung der Welt nicht mehr ausreicht. Zunächst wurden die Werke des Aristoteles als eine Art weltliche Bibel betrachtet, dann kamen nach und nach andere Philosophen dazu. Orthodoxe Christen in den USA attackieren heute noch Thomas von Aquin, den ersten weltoffenen Theologen der Kirche: „An unintended result of the teachings of Aquinas … was an undermining of Biblical authority“. (Eine unbeabsichtigte Folge der Lehren des Thomas von Aquin … war eine Untergrabung der biblischen Autorität).

Die Thora („Belehrung“) ist ein Teil der jüdischen Bibel. Die Thora besteht aus den fünf Büchern Moses’, die sich auch am Beginn des Alten Testaments finden. Das Neue Testament mit den Evangelien, den Apostelbriefen und der Apostelgeschichte sind ausschließlich Teile der christlichen Bibel. Vieles, was in den alten Schriften steht, ist belegbar. Kaiser Augustus hat tatsächlich eine Volkszählung angeordnet, Pontius Pilatus war ein Politiker, der gerne kreuzigen ließ und die in den Evangelien benannten Orte in Galiläa und Judäa existierten schon vor zweitausend Jahren, was archäologisch nachgewiesen wurde.
 
Die Autoren der alten Schriften nahmen aber manches nicht so genau, daher sind in der Bibel auch Fehler enthalten. Das Weltall wurde nicht in sechs Tagen erschaffen, und die Fledermäuse sind keine Vögel (Buch Leviticus). Tiere wie Eidechsen und Maulwürfe wurden willkürlich als unrein bezeichnet, aber niemand weiß, warum. Die Autoren agierten mit dem Wissen der damaligen Zeit, daher sind in der Bibel auch nur die wenigen chemischen Elemente – großteils Metalle - verzeichnet, die in der Antike bekannt waren. Kein Wort über Helium, Fluor, Thorium oder Plutonium.   

Es ist im Rahmen der Religionsfreiheit erlaubt, den eigenen Glauben zu verteidigen und zu leben. Wer aber meint, die wörtliche Auslegung alter religiöser Schriften habe Vorrang vor unserer Gesetzgebung und vor gesichertem Wissen, erleidet Schiffbruch. Abhacken von Händen und Steinigungen von Menschen sind Verbrechen und haben im heutigen Strafvollzug nichts zu suchen. Die Sonne rotiert auch nicht um die Erde. Diese astronomische Fehleinschätzung geht auf Aristoteles zurück, wurde seinerzeit einfach abgeschrieben und steht heute in der 21. Sure des Korans.   




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz