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DIE WASSERSTOFFBOMBE (3)


Ministerpräsident Nikita Chrustschow war sich trotz der sowjetischen Erfolge in der Raumfahrt darüber im Klaren, dass der Kommunismus dem Westen technologisch unterlegen war. Diese Blöße wollte Chrustschow durch Gigantomanie ausgleichen. Er beauftragte zu Beginn der Sechzigerjahre den Atomphysiker Andrei Sacharow mit dem Bau der größten Atombombe der Welt. Sie sollte eine Sprengkraft von 100 Millionen Tonnen TNT haben. Das entspricht 50.000 (in Worten: fünfzigtausend) Hiroschimabomben. Nicht einmal die Atomphysiker hatten damals eine Ahnung, was bei der Explosion passieren würde.

Sacharow bekam Skrupel. Er konstruierte die Bombe so, dass „nur“ eine Sprengkraft von 50 Megatonnen zu erwarten war. Die Bombe bekam die Serienbezeichnung AN 620. Später wurde diese Vernichtungsmaschine in Anlehnung an den russischen Kaiser „Zar-Bombe“ genannt. Sie war 8 Meter lang, hatte 2 Meter Durchmesser, wog 27 Tonnen und konnte gerade noch am Rumpf einer Tupolew-95 (Nato-Code „Bär“) befestigt und transportiert werden.

Das Flugzeug startete am 30. Oktober 1961 zur arktischen Insel Nowaja Semlja und warf die Bombe mit einem Fallschirm aus einer Höhe von 12.000 Metern ab. Die Detonation erfolgte in ungefähr 500 Metern Höhe. Die Wirkung war erschreckend, wenn man sich vorstellt, was „Zar“ über einer Großstadt angerichtet hätte. Zunächst wurde das bereits weit entfernte Flugzeug über tausend Meter nach unten geschleudert und beinahe in Stücke gerissen. Im Umkreis von 100 Kilometern wurden alle Gebäude zerstört, noch in 500 Kilometern Entfernung gingen alle Fensterscheiben zu Bruch. Der Atompilz reichte bis an die Grenzen des Weltalls. Normalerweise erzeugen nur Bomben, die am Boden gezündet werden („Dirty Harry“), einen größeren radioaktiven Fallout. Zar war aber so gewaltig, dass eine radioaktive Wolke um die ganze Welt ging. Sacharow schätze die durch Zar zusätzlich Erkrankten auf mindestens eine halbe Million Menschen. Ob die Zahl stimmt, weiß niemand.

Die „Alles-weg-Maschine“, wie sie ein Nachrichtenmagazin nannte, brachte sogar harte Militärs zum Umdenken. Andrei Sacharow weigerte sich jedenfalls, weitere Waffen zu entwerfen und wurde zum Friedensaktivisten.

Der nordkoreanische Obskurant Kim Jong-un muss mit dem Rücken zu Wand stehen, denn er hat gelogen. Im nordkoreanischen Testgelände Punggye Ri ist irgendetwas explodiert, aber keine H-Bombe, wahrscheinlich auch keine Spaltungsbombe. Ein nuklearer Sprengsatz hätte ein wesentlich stärkeres Beben als das gemessene verursacht. Zwischen 1945 und heute explodierten 2.050 dokumentierte Atombomben, die meisten unterirdisch. Manchen Verrückten reicht das offenbar immer noch nicht.




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz