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DIE WASSERSTOFFBOMBE (2)


In den Fünfzigerjahren kauften die Amerikaner die Hälfte allen Filmmaterials (!) weltweit auf, um ihre Bombentests zu dokumentieren. Zusätzlich wurde ein neues Filmmaterial erfunden, um die grellen Bombenexplosionen aufnehmen zu können. Die US-Army konstruierte zusätzlich die Spezialkamera „Rapatronic“, die mit einer Verschlusszeit von nur 4 millionstel Sekunden arbeitete. Der Grund für diese Entwicklungen lag in der Unkontrollierbarkeit der Wasserstoffbombe, die tödlichste Maschine, die je gebaut worden war.

Während die Wirkung einer Kernspaltungs-Atombombe ungefähr abzuschätzen war, war die Lage bei Kernverschmelzungsbomben (Wasserstoffbomben) anders. Diese Weltvernichtungsmaschinen entziehen sich bis heute einer exakten Analyse. Der russische Kernphysiker und Professor am Massachusetts Institute of Technology, Boris Altshuler, war ein Kollege des russischen Bombenphysikers und späteren Menschrechtsaktivisten Andrei Dmitrijewitsch Sacharow. In einem Interview reagierte Altshuler auf die Frage, ob die Wirkung einer Wasserstoffbombe vorherzusagen sei, mit Schulterzucken. Genau das bekam die US-Navy zu spüren.

Die USA führten Testserien von Wasserstoffbomben namens „Operation Castle“ und „Yankee“ am Bikini Atoll in der Südsee durch. Es waren die stärksten Atomwaffentests, die von den Amerikanern je durchgeführt wurden. Bei der größten Explosion, „Castle Bravo“ am 1. März 1954, also vor 62 Jahren, passierte etwas Unvorhergesehenes. Den Physikern und Waffentechnikern war bekannt, dass Wasserstoff das beste Material für Fusionsbomben ist. Wasserstoff hat aber den Nachteil, ein flüchtiges Gas zu sein. Man kann es verflüssigen, aber auch in diesem Zustand ist die Bombe viel zu groß und schwer, für Flugzeuge und Raketen somit unbrauchbar. Die Amerikaner wollten aber eine Bombe haben, die man abwerfen kann.

Lithium als leichtestes Metall ist genauso bombentauglich wie Wasserstoff. Die Amerikaner verwendeten eine Mischung aus Lithium-7 (schwach fusionstauglich), Lithium-6 (fusionstauglich) und schwerem Wasserstoff (sehr gut fusionstauglich) für ihre Castle Bravo-Bombe. Das Isotop Lithium-7 sollte die Sprengkraft begrenzen. Die Strahlung des Zünders verwandelte in Sekundenbruchteilen das Lithium-7 in Lithium-6, wodurch die Bombe eine unvorhergesehene Wucht von 15 Millionen Tonnen (15 Megatonnen) TNT erreichte. Die geschockte Besatzung des Beobachtungsschiffes „USS Curtiss“ in 40 Kilometern Entfernung schloss mit dem Leben ab, überlebte aber wie durch ein Wunder. 
 
Die Russen wollten das übertrumpfen und bauten die größte Vernichtungsmaschine aller Zeiten, die „Zar-Bombe“.




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz