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RONALDS TROJANER


Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Das wusste schon der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos. Das gilt auch für Computerviren und Trojaner. Als im November 1982 mit Hilfe amerikanischer Spionagesatelliten an der sowjetischen Jamal-Pipeline eine gewaltige Explosion bemerkt wurde, meldeten sich CIA-Agenten bei der US-Army und beschwichtigten die Generäle: „Nicht nervös werden, das waren wir.“

US-Präsident Ronald Reagan beschloss 1981, den Sowjetkommunismus in die Knie zu zwingen und den kalten Krieg zu beenden. Sein Vorteil war, dass er von den politischen Eliten in Europa und den Kommunisten für einen naiven kleinen Hollywoodschauspieler gehalten wurde. Ein politisches Leichtgewicht eben. Reagan war das Gegenteil: Scharfsinnig, manipulativ und ein durchtriebener Stratege. Als der französische Präsident Mitterand Reagan darüber informierte, dass der französische Geheimdienst den wichtigen KGB-Agenten Oberst Wladimir Wetrow – Codename „Farewell“ – rekrutiert hatte, beschloss Reagan, dies eiskalt auszunützen. CIA-Chef Bill Casey war damals der Vorsitzende des „Foreign Denial and Deception Committee“ (FDDC) der CIA, einem Gremium, das Lüge und Betrug zu Operationsmethoden machte. Dieses Komitee benützte den eingeweihten Wetrow dazu, die Sowjets mit gezinkter Hard- und Software zu versorgen. Die Sowjetunion musste alles, was sie selber nicht produzieren konnte, und das war in erster Linie Hochleistungselektronik, im Westen einkaufen oder stehlen.

Das geheimnisvolle CIA-Komitee war lange Zeit ein Phantom. Erst Jahre später haben der ehemalige Verteidigungsminister Caspar Weinberger und der Kommandeur der US-Pazifikflotte, Admiral James „Ace“ Lyons, über die Aktivitäten von Caseys Sabotagetruppe  gesprochen. Es wurde zugegeben, dass der Sowjetunion defekte Computer geliefert worden waren. Zusätzlich bekamen die Kommunisten mit Hilfe von Oberst Wetrow Computerprogramme, die mit gefährlichen Trojanern und Viren verseucht waren. So ein CIA-Trojaner hat die Explosion der Jamal-Pipeline verursacht.

Oberst Wladimir Wetrow war Alkoholiker. Nachdem er wegen Totschlags und Körperverletzung ins Gefängnis gesteckt worden war, verplapperte er sich. Er wurde wegen Hochverrats angeklagt und 1985 hingerichtet. Da war es aber schon zu spät. Die CIA wusste alles über die inneren Strukturen des sowjetischen Militärs und der Geheimdienste. Zudem war das Land mit defekter Software verseucht worden. Die Sowjetunion brach wirtschaftlich zusammen und verlor den kalten Krieg. Der unterschätzte US-Präsident Reagan, der den ersten elektronischen Krieg angeordnet hatte, starb 2004. Sein Geburtstag jährt sich am 6. Februar zum 105. Mal.




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz