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HENRY MORTON STANLEY


Der Schotte David Livingstone (1813 – 1873) war ein Baumwollspinner, der sich privat mit allerlei wissenschaftlichen Themen beschäftigte, darunter Medizin, Philosophie und Theologie. Im Alter von nur 27 Jahren ging er im Auftrag der „London Missionary Society“ als Missionar nach Südafrika. Neun Jahre später – 1849 – verließ er seine Missionsstation und durchwanderte die älteste Wüste der Welt, die Kalahari in Südwestafrika. Zwei Jahre später erreichte er den Oberlauf des Sambesi. 1864 kehrte Livingston nach Großbritannien zurück und veröffentlichte seine berühmten Reiseberichte „Narrative of an expedition to the Zambesi and its tributaries“.

1865 fuhr Livingston erneut nach Afrika. 1866 begann er seine letzte Forschungsreise in den afrikanischen Dschungel. Kurz darauf wurde das Gerücht verbreitet, Livingston sei von Einheimischen erschlagen worden, was eine nacheilende Expedition widerlegen konnte. Livingston drang immer weiter in den Urwald vor und entdeckte einen der Quellflüsse des Kongo. Er erlebte, wie Araber ein Dorf abbrannten und Frauen und Männer als Sklaven nahmen. Livingston war erschüttert, denn er war ein überzeugter Gegner der Sklaverei. Ab 1869 galt Livingston in Europa und den USA als verschollen. Der Journalist und Autor Henry Morton Stanley (1841 – 1904) bekam daraufhin vom amerikanischen Zeitungsverleger James Gordon Bennett junior den Auftrag, in Afrika nach Livingstone zu suchen.

Stanley war als uneheliches Kind in Großbritannien zur Welt gekommen. Er durchlebte eine traurige Kindheit, hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser und heuerte schließlich mit 15 Jahren auf einem Schiff an, mit dem er nach New Orleans segelte. In den USA soll der junge Bursche angeblich von einem Amerikaner namens Henry Hope Stanley adoptiert worden sein, worauf er sich Henry Stanley nannte. Henry wurde Soldat der konföderierten Südstaaten, kam in Gefangenschaft, wurde später Journalist und schließlich durch Abenteuergeschichten berühmt. Beim New York Herald wurde Stanley als Korrespondent nach Ägypten und Abessinien geschickt. 1870 brach Stanley mit einem Tross von fast 200 Trägern in Richtung Zentralafrika auf. Am 10. November 1871 trafen er und seine Begleiter in der Nähe des Tanganjikasees auf einen Europäer, worauf Stanley die berühmten Worte „Mr. Livingstone, nehme ich an“ sagte. Stanleys europäische Begleiter überlebten die Expedition nicht, auch Livingstone starb ein Jahr später, daher existiert nur Stanleys Bericht. Die beiden Männer waren grundverschieden. Während Livingstone Afrika liebte, hasste Stanley diesen Kontinent aus ganzem Herzen.

Am 28. Jänner jährt sich der Geburtstag von Henry Morton Stanley zum 175. Mal.




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz