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SERGEJ KOROLJOW


Sergej Koroljow wurde am 12. Jänner 1907 in der heutigen Ukraine geboren. Sein Vater hatte weißrussische, seine Mutter griechische Vorfahren. Er selber bezeichnete sich immer als Ukrainer, nur wenn es für ihn vorteilhaft war, gab er sich als Russe aus. Als Jugendlicher machte Sergej eine Lehre als Dachdecker und Maurer, begann sich aber früh für Flugzeuge zu interessieren. Er trat einem Fliegerverein bei und konstruierte im Alter von 17 Jahren sein erstes Segelflugzeug. Mit 18 Jahren begann er ein Studium am Polytechnischen Institut in Kiew, später wechselte er an die Technische Hochschule in Moskau. Während seines Studiums konstruierte Sergej mehrere Modelle von Segel- und Motorflugzeugen. 1930 schloss er sein Studium als Ingenieur für Flugzeugbau ab.

Nach Beendigung seines Studiums konzentrierte sich der junge Mann auf die Konstruktion und den Bau von Raketen. Als er von einem Kollegen denunziert wurde, kam Koroljow in ein Straflager für Wissenschaftler, das Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn in seinem Roman „Der erste Kreis der Hölle“ beklemmend beschrieben hatte. Nach dem 2. Weltkrieg kam Koroljow frei und wurde nach Deutschland geschickt. Er sollte die von Werner von Braun entwickelten Raketen studieren und nach deutschen Raketentechnikern fahnden. Sergej Koroljow ereilte das gleiche Schicksal wie Wernher von Braun. Beide wollten zivile Raketen bauen, wurden aber gezwungen, für das Militär zu arbeiten. Wernher von Braun wurde „eingeladen“, der SS beizutreten, Koroljow kam in die Rote Armee und wurde Oberst.

Nach Josef Stalins Tod konstruierte Koroljow die erste atomare Interkontinentalrakete der Welt, die „Semiorka R7“. Wegen der tonnenschweren sowjetischen Atomsprengköpfe dimensionierte er die Rakete so, dass sie auch für Satelliten verwendet werden konnte. Koroljows große Stunde kam im Oktober 1957. Als wegen technischer Probleme das Atomwaffenprogramm ins Stocken kam, fragte Koroljow beim Politbüro in Moskau an, ob er trotzdem einen Raketentest machen könne. Das wurde bewilligt, und so gelangte Sputnik-1 in eine Erdumlaufbahn. Kurz darauf folgte die Hündin Leika als erstes Lebewesen und 1961 Juri Gagarin als erster Mensch im Weltall.

Der große Ingenieur, dessen Raketen und Raumschiffe heute noch verwendet werden, starb vor 50 Jahren, am 14. Jänner 1966 in Moskau. Keiner seiner Nachfolger kam qualitativ und menschlich auch nur in seine Nähe. Erst nach seinem Tod erfuhr die Öffentlichkeit seinen Namen. Das Nobelpreiskomitee in Stockholm hatte nach den Flügen von Sputnik und Gagarin angefragt, wer für die technische Revolution verantwortlich sei, doch Koroljows Name wurde, auch weil er kein Russe war, geheim gehalten.




© 2016 Rudolf Öller, Bregenz