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DAS GEWÜRZ


Das Haus der Natur in Salzburg, das heute zu den besten naturwissenschaftlichen Museen Europas zählt, war im Nationalsozialismus eine SS-Akademie. Das Haus sollte zum Rassenforschungsinstitut (Projektname „Ahnenerbe“) ausgebaut werden. Im Museum findet sich heute ein Zitat des ehemaligen Direktors Dr. Eduard Tratz: „Aus diesem … Naturgesetz heraus hat jedes Lebewesen um sein Dasein zu kämpfen, gleichgültig ob es Tier, Pflanze oder Mensch ist. … Daher hat auch ein tüchtiger Mensch mehr Gegner als ein bedeutungsloser.“ Tratz hat damit, ohne es zu wollen, die Hauptursache für den Antisemitismus erklärt.

Es ist schon schwer genug, den Erfolg von Staaten zu analysieren. Noch schwieriger ist es, den Erfolg von Völkern und Religionen zu hinterfragen. Es geht dabei um den wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Erfolg von Gruppen, bekanntlich ein Tabuthema in politisch korrekten Zeiten. Auf der Suche nach besonders tabuisierten Fragen führt kein Weg an den Juden vorbei. Die Juden sind das erfolgreichste Volk der Geschichte. Vielleicht sollten wir zu Weihnachten daran denken. Jesus von Nazareth, seine Familie und seine Gefolgschaft waren schließlich Juden.
 
Das Argument, dass es auch erfolgreiche Nichtjuden gibt, übergeht die Mengenverhältnisse. Moslems bilden rund ein Viertel der Weltbevölkerung, die Juden nur knapp zwei Tausendstel. Die Moslems stellen fünf Nobelpreisträger, zweimal Literatur, zweimal Chemie, einmal Physik, die wenigen Juden stellen weit über hundert Nobelpreisträger (rund zwanzig Prozent). Gelegentlich wird behauptet, dass Juden in der Welt der Wirtschaft dominieren. In Wahrheit bilden sie weltweit auch eine Produzenten-, Regisseur-, und Schauspieler-Elite und stellen überproportional die brillantesten Künstler und Wissenschaftler. Sogar im Silikonvalley in Kalifornien sind Juden erfolgreich vertreten. Mark Zuckerberg, den Erfinder von facebook, kennt fast jeder. Der Gründer der größten Mikroprozessorenfabrik INTEL, Andrew „Andy“ Groves,  ist ein aus Ungarn geflüchteter Jude namens András István Gróf. Es ist auch kein Zufall, dass sowohl am ersten amerikanischen als auch am ersten sowjetischen Atombombenprojekt jüdische Techniker und Physiker führend beteiligt waren.

Was sind die Ursachen für das außerordentliche Potential der Juden? Es gibt Bücher über deren Leistungskraft, wie etwa „Das Gewürz“ von Jürgen Thorwald, aber es fragt niemand nach den Ursachen. Das ist ein bedauerliches Tabu, denn wir alle könnten daraus lernen. Das Geld kann es nicht sein, denn es gab und gibt unzählige bettelarme jüdische Familien, die große Frauen und Männer hervorgebracht haben. Die Frage bleibt vorerst offen.






© 2015 Rudolf Öller, Bregenz