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NOBELPREISE 2015: MEDIZIN UND PHYSIOLOGIE


Der größte Killer der wohlhabenden Menschen sind nicht die verschiedenen Krebserkrankungen, sondern die angerauchten, angetrunkenen, angefutterten und mangels an Bewegung gewissermaßen angeruhten Herz- und Kreislauferkrankungen. Bei den Infektionskrankheiten würde so gut wie jedermann auf Aids tippen, aber das ist weit daneben getippt. Es sind die durch allerlei Parasiten hervorgerufenen Infektionen wie etwa Malaria.

Der diesjährige Medizinnobelpreis ging an drei Forscher, die Millionen Menschen in Südamerika, Afrika und Südostasien, und damit ärmeren Menschen, das Leben gerettet haben.

Der gebürtige Ire und Parasitologe William C. Campbell (Universität von Wisconsin) und der japanische Biochemiker Satoshi Omura (Universitäten Tokio und Kitasato) teilen sich die Hälfte des Nobelpreises. Die beiden haben die Substanz „Avermectin“ entdeckt, mit der lebensgefährliche Infektionen mit Fadenwürmern bekämpft werden können. In unseren Breiten mag das Kopfschütteln hervorrufen, aber in tropischen und subtropischen Ländern sind wurmartige Parasiten ein Problem. Die chinesische Pharmakologin Youyou Tu (Universität Peking) bekommt die andere Hälfte für ihre Entdeckung, dass ein Extrakt aus der Pflanze Beifuß das Wachstum von Plasmodien hemmt, die Malaria auslösen. Plasmodien zählen zu den einzelligen Lebewesen und haben mit Bakterien fast nichts und mit Viren überhaupt nichts zu tun. Frau Tu ist übrigens der erste chinesische Staatsbürger mit einem wissenschaftlichen Nobelpreis.

Die ältere chinesische Dame mit dem originellen Namen wurde in den Sechzigerjahren in die Felder geschickt, um nach Kräutern zu suchen, die gegen Malaria helfen, denn damals war diese Erkrankung in China ein enormes Problem. Die Suche blieb jahrelang erfolglos, bis der im „einjährigen Beifuß“ (chinesisch Quinghao, lateinisch Artemisia annua) entdeckte Wirkstoff erste Erfolge zeigte. In der Zwischenzeit wird der Malariastoff „Artemisinin“ synthetisch erzeugt und angewendet. Um Resistenzentwicklungen zu vermeiden, wird das Medikament in einer Kombinationstherapie verabreicht. Pharmazeuten gehen davon aus, dass das Medikament die Todesraten von Malaria bis zu 30 Prozent verringern kann. Das bedeutet allein für Afrika, dass damit rund 100.000 Menschen im Jahr gerettet werden könnten.

Die Nobelpreise zeigen, dass die USA im Bereich der Forschung vorherrschend sind. Japan holt beständig auf, China erwacht. In Europa halten noch Großbritannien und Deutschland die Stellung der Spitzenforschung. Österreichs Universitäten haben sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen - wissenschaftlich in öde Tiefebenen verabschiedet.






© 2015 Rudolf Öller, Bregenz