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BLÜTE UND TOD


Die Araber haben das Zehnerzahlensystem, die Astronomie, die Ideen des Aristoteles und eine reformierte Medizin nach Europa gebracht. So kann man es lesen, es stimmt aber nur mit Einschränkungen. Es waren nicht die Araber, die uns die Kultur brachten, sondern die Iraner. Die europäische Revolution des Wissens geschah außerdem vor tausend Jahren, als Europa eine dunkle Phase, den Untergang des römischen Reiches und das Chaos der Völkerwanderungen, gerade erst überstanden hatte. 

Um 750 richteten die Iraner eine Baumwollindustrie in Spanien ein. Die ersten wissenschaftlichen Abhandlungen über Zoologie stammen von Al Asmai aus Basra. Sein „Kitab al Chail“ (Buch des Pferdes) und andere Bücher behandelten die Anatomie der Säugetiere. Er schrieb auch über menschliche Anatomie und war damit dem europäischen Wissen weit voraus. Dschabir Ibn Hayyan, der „Vater der Chemie“, war ein frühislamischer Alchimist. Er erfand den Alambic (die Destillierflasche), teilte erstmals die Elemente in Metalle und Nichtmetalle ein und charakterisierte einige Säuren. Die Idee des „Steins der Weisen“ war zwar ein Hirngespinst, aber die Suche danach erbrachte viele physikalisch-chemische Entdeckungen.

Jurjis Ibn Bukhtishu war einer der frühen Ärzte. Er heilte einen Kalifen von Magenbeschwerden und wurde berühmt. Muhammad Ibn Musa al Chwarizmi studierte griechische und indische Schriften und beschrieb die Benützung des „Astrolabiums“ zur Messung der Sternpositionen. Einer der ersten Universalgelehrten war Abu Yusuf Ya`qub Ishaq al Kindi, später Alcindus genannt. Er beschäftigte sich mit Astronomie, Mathematik, Medizin, Geografie und Philosophie. Er übersetzte Werke aus dem Griechischen und integrierte sie in das damalige Denken. Der bedeutendste Arzt um die erste Jahrtausendwende war Muhammad Ibn Zakariya ar Razi, auch Rhazes genannt. Die hier erwähnten Wissenschaftler, die vorwiegend aus dem (heutigen) Iran stammten, sind nur eine kleine Auswahl.
 
„Tempora mutantur“ wussten schon die Römer. Die Zeiten ändern sich. Das Ende der iranischen Blüte des Wissens folgte auf die Invasion durch die arabischen Omayiden und Abbasiden. Die arabischen Eroberer wussten nichts über Staatskunst, Architektur, Musik, Mathematik und Astronomie. Sie kannten nicht einmal Münzen, brachten aber den Koran. Schnell wurden Freiheit, Kreativität und damit alle Wissenschaften von den eingewanderten Theologen abgewürgt. Auch unsere Kirche machte vor Jahrhunderten im Kampf gegen die Freiheit des Denkens einen ähnlichen Fehler, allerdings bei weitem nicht so radikal. Die europäischen Wissenschaften blühten in der Renaissance auf, die iranischen gingen zugrunde.






© 2015 Rudolf Öller, Bregenz