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SPIONAGE: KLAUS FUCHS


Über die mehrtägige Potsdamer Konferenz im Juli 1945 (Originalbezeichnung: „Berlin Conference of the Three Heads of Government of the U.S.S.R., U.S.A., and U.K.” ) gibt es eine Legende, die leider falsch ist. US-Präsident Harry Truman habe angeblich den sowjetischen Diktator Josef Stalin über eine neu entwickelte Waffe informiert, die bald zum Einsatz kommen werde. Stalin habe freundlich genickt, weil er angeblich schon alles über diese neue Waffe, gemeint war die Atombombe, wusste. In Wahrheit hatte Stalin nur eine schwache Ahnung, was Truman meinte. Am 16. Juli 1945 fand die erste geheime atomare Testexplosion in New Mexico statt. Als am 6. August 1945 die erste Atombombe über Hiroshima detonierte und die Stadt in Schutt und Asche legte, waren die Kommunisten alarmiert.

Einige Leute im NKWD, der Vorgängerorganisation des KGB, erinnerten sich jetzt, dass ein Deutscher namens Klaus Fuchs seit Jahren Konstruktionspläne samt Anleitungen aus der Kleinstadt Los Alamos in den Bergen von New Mexico geschickt hatte. Da es im NKWD niemanden gab, der mit dem Technikkram etwas anfangen konnte, wurden die Kopien unsortiert im Keller gelagert. Eiligst wurde nun eine geheime Sondergruppe gebildet, die „Abteilung S“, die mit den Übersetzungen der amerikanischen Dokumente begann. Die Papiere wurden Technikern zur Auswertung übergeben, die aber nicht wussten, dass es sich um Spionagematerial handelte.

Klaus Fuchs war 1933 vor den Nationalsozialisten geflohen und hatte in Großbritannien Physik studiert. Er war Kommunist und begann für die Sowjets zu spionieren. Später wurde er für das Projekt „Manhattan Engineering District“ (das US-Atombombenprojekt) rekrutiert. Seine Mitgliedschaft bei der kommunistischen Partei Deutschland war dem CIA entgangen. In Los Alamos kopierte Fuchs Unterlagen und ließ die Papiere über Kuriere an die sowjetische Botschaft schicken.

Die Sowjets organisierten 1945 Forscherteams. Igor Wassiljewitsch Kurtschatow wurde zum obersten Chef des sowjetischen Atombombenprojekts bestimmt, Juli Borissowitsch Chariton wurde der technische Leiter. Die beiden unterstanden direkt dem obersten Geheimdienstchef und Massenmörder Lawrenti Berija, der - wie Josef Stalin - aus Georgien stammte. Das russische Atombombenlabor „Konstruktionsbüro 11“ wurde 500 Kilometer östlich von Moskau, der Reaktor zur Erzeugung von Plutonium in Tscheljabinsk im Ural errichtet.

Die erste sowjetische Atombombe „RDS-1“, detonierte am 29. August 1949 in Kasachstan. Juli Chariton gab später zu, dass sie eine exakte Kopie der Nagasakibombe war. Die CIA hatte zuvor vermutet, dass die Sowjetunion mindestens 20 Jahre für eine Entwicklung benötigen würde.






© 2015 Rudolf Öller, Bregenz