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EINE NEUE UNGLEICHHEIT


Die Ungleichheit ist ein wichtiges Prinzip. Ohne Ungleichheit gäbe es keine Evolution und keine funktionierenden Ökosysteme. Monokulturen sind eine Bedrohung der Natur. Auch unsere Gesellschaften sind unterschiedlich aufgebaut. Die Politik versucht, durch eine gesteuerte Bildungspolitik und Geldtransfers eine gewisse Gleichheit herzustellen. Das ist bis heute nicht gelungen, weil Verschiedenheit mehrere Ursachen hat, und weil Menschen heute immer mobiler werden. Jeder, der sich eingeengt fühlt, kann echter und vermeintlicher Gleichmacherei durch Auswanderung entgehen. Wirtschaftlich, wissenschaftlich und künstlerisch freie Länder haben brillante Menschen immer schon magisch angezogen.

Diese Migration von Leistungsträgern in Länder mit starken Wirtschaftssystemen hat nicht nur zu ungleich verteiltem Wohlstand geführt. Es ist zusätzlich eine enorme Ungleichheit im MINT-Bereich entstanden, die mit Geld allein nicht ausgeglichen werden kann. (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Im Bereich der Naturwissenschaften und der Technik ist es zum Matthäus-Effekt (Mt 13,12) gekommen, der schon vor fünfzig Jahren in den Wissenschaften so bezeichnet wurde. "… denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben. Wer aber nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, genommen werden ..." Nicht nur die Reichen werden reicher. Auch der Unterschied zwischen Elite-Instituten und dem Mittelmaß wächst weltweit. Das ist vor allem für Österreich fatal, weil es unserem Land im Gegensatz zur Schweiz und zu Deutschland nicht gelungen ist, den Leistungsunterschied zu den angelsächsischen Ländern und zu Israel (!) klein zu halten.

Die Politik kann hier nur etwas ändern, wenn sie die Wissenschaften mit ausreichenden Mitteln ausstattet, sich aber inhaltlich zurückhält. Je mehr sich der träge Staat in Wissenschaft und Forschung einmischt, desto schlechter. Der britische Nobelpreisträger George Thomson zitierte seinen Vater Joseph, der ebenfalls Nobelpreisträger war: „Hätten Regierungslaboratorien bereits in der Steinzeit gearbeitet, wir hätten heute wunderbare Steinbeile, niemand hätte jedoch die Metalle entdeckt.“

Wissenschaftliches Arbeiten hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm verändert. Das Internet und die Globalisierung haben die Verbreitung von Forschungsergebnissen beschleunigt. Zur brauchbaren Auswertung dieser Wissensflut werden aber Mathematiker, Programmierer und eine teure Computerhardware benötigt. Wirtschaftlich und wissenschaftlich schwach entwickelte Länder, wie zB. Russland, setzen daher vermehrt auf Wissenschafts- und Industriespionage. Demnächst mehr dazu.






© 2015 Rudolf Öller, Bregenz