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DREI MÜTTER


Jana aus Georgien verleiht ihren Körper. Sie trägt das Kind einer unbekannten Eizellenspenderin aus Tiflis aus. Das Kind wird in Kürze zur Welt kommen. Auftraggeber ist ein schwedisches Ehepaar. Das Kind wird drei Mütter haben: Die genetische georgische Mutter, die georgische Tragemutter und die schwedische Adoptivmutter. Wären die Adoptiveltern ein lesbisches Paar, dann hätte das Kind sogar vier Mütter. Jana meint, es gehe darum, alle durch diesen Vorgang glücklich zu machen. Das Wohl des Kindes steht offenbar nicht zur Debatte.

Vor 10 Jahren erschien das Buch: David Plotz, „The Genius Factory“ (Random House, New York). Es geht darin um eine vor dreißig Jahren von Millionär Robert Graham gegründete Samenbank namens „Repository for Germinal Choice“. Es war eine Bank mit dem Erbmaterial besonderer Männer. Unter den Samenspendern war auch William Shockley, Erfinder des Transistors, Nobelpreisträger und Anhänger einer seltsamen „Rassenlehre“. Graham hatte behauptet, unser Schicksal liege in der Hand von Genies, denn wenn man die Fortpflanzung Kranken und Irren überlasse, gehe es mit der Menschheit bergab.

Aus Grahams Samenbank sind 215 Kinder hervorgegangen, bis das Lager 1999 geschlossen wurde. Dreißig Kinder konnte Autor David Plotz ausfindig machen. Was aus ihnen geworden ist, hat er in seinem Buch beschrieben. Die Kinder stellten sich großteils als intelligent und erfolgreich heraus. Das ist nicht überraschend, denn die bestimmende Rolle der Gene bei der Entwicklung eines Menschen ist längst bekannt. Ein weiterer Faktor wird in Plotz‘ Buch erwähnt, der beachtenswert ist. Alle Mütter, die sich aus der Samenbank bedient hatten, waren engagiert, gebildet und entschlossen, „bessere“ Kinder zu haben. Hier spielten also nicht nur die Gene mit, sondern auch ein eiserner Wille samt entsprechender Erziehung. Einer der Nachkommen hatte nur mäßigen Schulerfolg. Als ihm die Mutter beichtete, dass er einen genialen Vater habe, geriet der arme Bub in eine schwere Krise. Ein anderer intelligenter Jugendlicher studierte nicht Mathematik, Physik oder Informatik, wie seine „Tigermutter“ es gewünscht hatte, sondern protestierte gegen seine Entstehung, indem er Theologie studierte. Wir wissen heute, dass Kinder in seelische Nöte geraten können, wenn sie die Wahrheit über ihren Züchtungsursprung erfahren.

Was wir den Kindern antun, die ihre Entstehung dem neuen österreichischen Fortpflanzungsgesetz verdanken werden, hat kaum jemand bedacht. Es wird mit einigen Mehrfachmutter-Kindern etliches schief gehen, das ist gewiss. Die Politiker, die kürzlich abgestimmt haben, werden dann in Pension sein und mit der Sache nichts mehr zu tun haben wollen.






© 2015 Rudolf Öller, Bregenz