zurück Übersicht weiter

ANTARKTIS (3)


Südgeorgien ist eine Insel, die mitten im stürmischsten Meer der Welt, dem Ozean rings um die Antarktis, liegt. Hohe Windgeschwindigkeiten, meterhohe Wellen, Eisberge und Wale geben sich dort am Ende der Welt ein Stelldichein. Unsere erste Anlandung mit „Polarzirkelbooten“ erfolgte in Fortuna Bay, die nicht nach der römischen Glücksgöttin benannt ist, sondern nach einem der ersten Walfangschiffe in diesem Gebiet. Die Fortuna fuhr 1916 auf ein Riff auf, als der Steuermann gerade einen Brief las. Der britische Polarheld Sir Ernest Shackleton und seine Gefährten durchquerten 1916 dieses Gebiet auf ihrem Weg von einer Seite der Insel zur anderen.

Fortunabay und die benachbarte Strømnessbay sind das Heim von Pelzrobben, See-Elefanten, Königspinguinen, Eselspinguinen und anderer Vogelarten. Die Königspinguine mit ihrer schwarz-grau-weiß-orangen Zeichnung sind die etwas kleineren Geschwister der Kaiserpinguine. Sie sind zutraulich, kommen auf Armlänge heran, geben ein paar Flötentöne von sich und gehen wieder. Das Balzverhalten der Pinguine, das sich im antarktischen Frühling abspielt, ist sehens- und hörenswert: Mehrmaliges tiefes Verbeugen unter Bildung von Tönen, die wie ein gesungenes „rrr“ klingen.

In Strømnessbay und im nahe gelegenen Ort Grytviken sind große Walfangstationen zu sehen, an deren Gebäuden, Schiffen und Maschinen seit den Sechzigerjahren der Rost nagt. Man lässt hier sogar ein altes Walfängerschiff, die „Petrel“, langsam verrosten. Als die Zahl der Wale auf der Nordhalbkugel kleiner wurde, erinnerte man sich an die walreiche Gegend rund um die Antarktis und errichtete auf Südgeorgien Walfangstationen. Diese waren so überaus erfolgreich, dass die Ausrottung aller Wale nur noch eine Frage der Zeit war.  Es blieb den Nationen nichts anderes übrig, als den Walfang ganz einzustellen. Einige wenige Wale, wie die Buckelwale, haben sich seither zahlenmäßig erholt, über andere Arten, wie etwa die Blauwale, weiß man wenig. „Zählungen“ basieren eher auf Schätzungen. Gerettet sind die Wale noch lange nicht.

Nach dem Verlassen von Südgeorgien schlug das Wetter innerhalb weniger Minuten um, was in der Antarktis häufig vorkommt. Es wurde neblig und stürmisch. Mitten in dem unheimlichen Grau tauchte ein Tafeleisberg auf. Er war 36 km lang, 12 km breit und reichte 250 Meter in die Tiefe. Der per Satellit überwachte Eisberg hatte die Nummer B17A. B steht für den Sektor, in dem er abgebrochen ist, 17 ist eine fortlaufende Nummer und A ist die Bezeichnung dafür, dass er noch nicht zerbrochen ist. Der Eisberg enthielt genug Wasser, um die gesamte Menschheit ein Jahr lang versorgen zu können. Es dauerte zwei Stunden, um das Eismonster zu umfahren.






© 2015 Rudolf Öller, Bregenz