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ANTARKTIS (2)


Der erste Eindruck der Falklandinseln kann mit „Baumgrenze am Meer“ beschrieben werden. Wegen der ständigen kalten Winde konnten sich hier auf Meeresniveau keine Bäume, sondern nur eine Hochgebirgsflora entwickeln. Auch das Tierreich hat Besonderheiten zu bieten, wie etwa die „Dampfschiffente“, die das Fliegen verlernt hat und mit ihren kleinen Flügeln rudert wie ein Raddampfer.

Die Falklands gehören zu England. 1982 wollten die Argentinier ihre „Malvinas“, wie sie die Inseln nennen, militärisch einkassieren, weil sie dort Erdöl vermuteten. Die Engländer kamen mit ihrer Flotte und machten den Argentiniern einen dicken Strich durch die Rechnung. Aus diesem Grund gibt es in Port Stanley einen „Thatcher Drive“, benannt nach der 2013 verstorbenen „eisernen Lady“.   

Ursprünglich war Port Stanley ein Versorgungsstopp für Schiffe, die das Kap Hoorn umrundeten. Später bekam die Stadt einen schlechten Ruf als Hafen für vagabundierende Seeleute und rüpelhafte Walfänger. Heute ist von der rauen Vergangenheit nichts mehr zu bemerken. Nur die gesperrten Strände, auf denen immer noch argentinische Minen vermutet werden, erinnern an den Krieg vor dreißig Jahren.

Die Falklands haben interessante Vogelkolonien. Hier nisten Königskormorane, Albatrosse und Felsenpinguine auf engstem Raum nebeneinander, was zu Stress führt, wenn einer dem anderen Nistmaterial stiehlt. Da die Kormorane eine ähnliche Zeichnung haben wie die Pinguine, sind sie in dem Trubel meist erst zu erkennen, wenn sie wegfliegen. Die Felspinguine („Rockhopper“) zeigen eine erstaunliche Kondition, wenn sie aus der Brandung hüpfen und die steilen Klippen emporhopsen. Albatrosse sind Dauerflieger. Wenn sie flügge werden, verlassen sie das Nest, fliegen aufs offene Meer hinaus und kommen erst nach fünf Jahren wieder. Sie können sogar im Schlaf segeln. Erst wenn ein Wanderalbatros ganz nahe ans Schiff herankommt, ist die gigantische Flügelspannweite von drei Metern zu erkennen. Die Landung eines Albatros ist meist eine Lachnummer, wenn er statt auf dem eigenen Nest auf dem Kopf des Nachbarn landet.

Nach der Öffnung des Panamakanals und dem Wechsel vom Segel- zum Dampfschiff verlegte sich die Wirtschaft der Falklands auf den Wollhandel. Den ursprünglich schlechten Ruf hat Stanley längst abgelegt und die Einwohner zeigen die Freundlichkeit, wie man sie in abgelegenen Siedlungen oft findet. Einer üppig ausgestatteten ehemaligen Kellnerin namens Una in einer Hafenkneipe in Port Stanley wurde von Walfängern in der Antarktis sogar ein Denkmal gesetzt. Zwei zuckerhutartige Berge im Lamairekanal heißen Una’s Tits.  Die englische Admiralität hat die Namensgebung augenzwinkernd abgesegnet.






© 2015 Rudolf Öller, Bregenz