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BUCHEMPFEHLUNGEN (2)


Philosophie ohne naturwissenschaftliche Grundkenntnisse ist heute nicht mehr möglich. Der Versuch, philosophische Berge zu erklimmen, ohne die Fundamente von Biologie, Chemie und Physik zu kennen, führt nur in das Reich der Wolkenkuckucksheime. Da das Wissen ständig zunimmt, wird eine Orientierung immer schwerer.

Das erste Buch, das ich heute vorstelle und empfehle, ist eine Neuerscheinung. Martin Neukamm (Hrsg.): „Darwin heute“ (Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt). Das Werk präsentiert den aktuellen Stand der Wissenschaften. Es ist eine grandiose Sammlung von Aufsätzen, die einen weiten Bogen von der Bedeutung der Evolutionstheorie für Philosophie und Theologie über die Kosmologie bis zur Evolution der Moleküle spannt. Wenn heute über die Evolutionstheorie diskutiert wird, machen die Gegner immer wieder die gleichen Fehler. Erstens gibt es „die Evolutionstheorie“ längst nicht mehr. Es handelt sich so wie bei der Quantenphysik oder der Elektrodynamik um eine Sammlung zahlloser Einzeltheorien. Zweitens wird dem größten Biologen des 19. Jahrhunderts, Charles Darwin, vorgeworfen, er habe einige Details noch nicht gewusst. Selbstverständlich hat kein Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts all das wissen können, was wir heute wissen. Der Vorwurf ist somit schlicht und ergreifend dumm. Im Buch geht es um ein starkes interdisziplinäres Konzept der Evolutionsbiologie. Kein Buch zum Thema wurde im Internet so rasch und begeistert diskutiert wie „Darwin heute“.

Das zweite Buch, Thomas Cathcart & Daniel Klein: „Platon und das Schnabeltier“ (Verlag Goldmann) ist gleichermaßen humorvoll wie tiefgründig. Wer wissen möchte, was man unter philosophischen Methoden und Theorien wie Logik, Erkenntnistheorie, Existenzialismus, Rationalismus usw. versteht, prallt oft an eine Wand überflüssiger Fremdwörter. Was soll man schließlich von Philosophen halten, die ohne Not von „Explikation“ statt von „Erklärung“ reden. In „Platons Schnabeltier“ wird in Form von Witzen philosophiert. Das ist nicht nur geistreich, sondern eignet sich hervorragend zum Sprücheklopfen im Alltag und auf Partys. So sagt etwa der Optimist, dass das Glas halb voll sei. Der Pessimist meint, es sei halb leer und der Rationalist folgert, dass das Glas doppelt so groß ist, wie es sein sollte.

Wegen der regelmäßigen Nachfragen sei ausnahmsweise zum ersten und letzten Mal darauf hingewiesen, dass es ausgewählte Sammlungen dieser Kolumne in Buchform gibt: „Beam me up, Scotty!“ (Verlag Unartproduction - www.unartproduktion.at) und „Was Lehrer(innen) nicht erwähnen“ (Rhätikon Verlag - www.rhaetikon-verlag.at).




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz