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NEOPHOBIE: GENTECHNIK


Gegen Ende des des 2. Weltkrieges gelang dem Kanadier Oswald Avery der Nachweis, dass die seit dem 19. Jahrhundert bekannte „Desoxyribonukleinsäure“ (abgekürzt DNS oder DNA) der Träger der Gene ist. 1953 glückte dem amerikanisch-britischen Forscherteam James Watson und Francis Crick in Cambridge die Entschlüsselung des DNA-Moleküls. 1962 bekamen sie dafür den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.

Damals war bekannt, was Gene sind, man wusste, dass es verschiedene Gene (korrekt: „Allele“) gibt und wie sie von einer Generation zur nächsten weiter vererbt werden. Dieses Weitergeben war nur innerhalb einer biologischen Art möglich. Ein Kind erbt die Gene seiner Eltern, aber ein Gen von einem Menschen in ein Bakterium zu übertragen, schien unmöglich.

Zu Beginn der Siebzigerjahre entdeckte der Schweizer Molekularbiologe Werner Arber bei der Untersuchung von Viren und Bakterien durch Zufall Enzyme, die in der Lage sind, die DNA an bestimmten Stellen zu zerschneiden. Zunächst ahnte niemand, was das bedeutete, doch allmählich wurde klar, dass hier die biologische Büchse der Pandora geöffnet worden war. Der klassische Genetiker arbeitet mit Pflanzen und Tieren einer biologischen Art. Man kann nur Pferde mit Pferden und Rosen mit Rosen kreuzen. Da die Natur im Verlaufe der Evolution die Arten veränderte und immer noch verändert, ist die Übertragung von Genen zwischen Halbarten möglich, aber nur in eingeschränktem Umfang. Die Manipulation einzelner Gene, die durch Werner Arbers Entdeckung möglich wurde, braucht sich um genetische Barrieren zwischen den Arten nicht mehr zu kümmern.  

Nachdem die Biologen erkannt hatten, was da geschehen war, wurde 1975 im verträumten kalifornischen Küstenort Asilomar eine Konferenz einberufen. Es war die Angst entstanden, dass man mit der neuen Technik Unheil anrichten könnte. Von den anwesenden Genetikern wurden Richtlinien erarbeitet. Beispielsweise sollte fremde DNA nur in solche Bakterien eingeschleust werden, die außerhalb des Labors nicht überleben können. Die Richtlinien wurden von vielen Staaten übernommen und inzwischen weiter entwickelt. Seit dieser ersten Asilomarkonferenz sind fast vierzig Jahre vergangen.

In der Zwischenzeit ist die Gentechnik in der Kriminalistik unverzichtbar geworden. Sogar einzelne Haare und Hautschuppen kann man eindeutig zuordnen. Unerlässlich ist die Gentechnik auch in der Medizin. Es besteht die begründete Hoffnung, für bestimmte genetische Typen maßgeschneiderte Medikamente produzieren zu können. In der Ökologie gibt es (noch) keine Entwarnung. Wir wissen immer noch nicht, was die gentechnisch veränderten Pflanzen in der Natur langfristig „anrichten“ können.




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz