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NEOPHOBIE: DARWIN


Charles Robert Darwin wurde 1809 als Sohn eines prominenten Arztes in Shrewsbury (England) geboren. Nach dem Abbruch eines Medizinstudiums begann Darwin auf Anordnung seines enttäuschten Vaters in Cambridge ein Theologiestudium, das er mit dem „Little Go“ abschloss, was einem heutigen Bachelor entspricht. Darwin beschäftigte sich so intensiv mit Pflanzen, Tieren und geologischen Fragestellungen, dass er auf Empfehlung eines Professors eingeladen wurde, als Naturforscher bei einer Atlantikexpedition mitzumachen. Im Dezember 1831 verließ das Forschungsschiff „HMS Beagle“ mit Darwin an Bord den Hafen von Plymouth. Aus der ein- bis zweijährig geplanten Forschungsreise wurde eine fünfjährige Expedition rund um die Welt.

Darwin war in naturwissenschaftlichen Fragen nicht nur erfahren, er hatte auch eine Art Röntgenblick. Als er hoch in den Anden Sedimentschichten mit Muschel- und Schneckenschalen fand, glaubte Kapitän FitzRoy, dass es sich um Reste der Sintflut handelt. Darwin glaubte nicht, dass eine 40 Tage dauernde Flut solche Ablagerungen erzeugen kann und entwickelte nach und nach seine eigene Theorie.

Im September 1835 steuerte die Beagle die Galapagos-Inseln im Pazifik an. Die vulkanischen Inseln fand Darwin abscheulich. Er fing zahlreiche Vögel, die später unter dem Namen „Darwinfinken“ berühmt wurden. Zu Hause in England heiratete Darwin eine begüterte Cousine und zog mit ihr auf ein Landgut südlich von London. Dort forschte er ein Leben lang an Tieren und Pflanzen und entwickelte allmählich eine Theorie über die Abstammung der Arten durch natürliche Auslese. Nicht nur die Idee, dass Tier- und Pflanzenarten veränderlich sind, sondern dass es beobachtbare Naturgesetze gibt, nach denen sich Leben entwickelt, löste ein Beben in der Welt der Wissenschaft aus. Der Kern der Darwinschen Theorien kann folgendermaßen beschrieben werden: In jeder Tier- und Pflanzenart gibt es Varianten in Form und Leistung. Die jeweils am besten angepassten Formen haben eine geringfügig bessere Chance der Fortpflanzung. Dieser Mechanismus führt über lange Zeiträume zu Verschiebungen in der Verteilung der Varianten und schließlich zur Entstehung neuer Arten und zum allmählichen Verschwinden schlecht angepasster Typen. Auch der Mensch als biologische Art ist diesen Naturgesetzen unterworfen.

Darwins Theorien spalteten die Wissenschaftler der damaligen Zeit in glühende Befürworter und leidenschaftliche Gegner. Die Angst vor den philosophisch-theologischen Konsequenzen der Evolutionstheorie war enorm und hält immer noch an, denn Darwins Theorien verhalten sich zum heutigen Wissen über die Entwicklung des Lebens wie ein Hügel zu einem Hochgebirge.




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz