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OCKHAMS RASIERMESSER (3)


Von mehreren Erklärungen einer Sache ist im Zweifelsfall die einfachste Theorie vorzuziehen. Diese Regel des mittelalterlichen Mönchs Wilhelm von Ockham wird auch „Occam’s Razor“ genannt. Wir gehen nun der „Theorie“ nach, wonach die Mondlandung der Amerikaner nie stattgefunden hat. Diese Geschichte tauchte immer 10, 20, 30 und 40 Jahre nach der ersten Mondlandung in der Öffentlichkeit auf. Im Sommer dieses Jahres feiert die NASA das 45. Jubiläum, infolgedessen werden einige Medien auf den Zug aufspringen und das Verschwörungsmärchen erneut bringen.

Wir lassen die uralten und längst geklärten Geschichten weg, wonach auf den Fotos der Astronauten keine Sterne zu sehen sind und widmen uns der Frage, wie weit Verschwörungstheorien weiter und weiter gesponnen werden müssen, wenn man einmal in diesen Unsinn eingetaucht ist.

Nachdem die Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin mit der Mondlandefähre LM-5 (Rufname „Eagle“) gelandet waren, stellte Aldrin einen Laserreflektor auf, der heute noch täglich von der University of Texas angepeilt wird. Es sollten noch weitere Reflektoren bei späteren Mondlandungen folgen. Wenn die Mondlandung tatsächlich ein Schwindel war, dann müssten dutzende Angestellte der Universität Texas eingeweiht worden sein.

In einem Interview sagte vor Jahren ein Mitarbeiter des zur University of Manchester gehörenden “Jodrell Bank Observatory“ (JBO), dass sie seinerzeit den Funkverkehr zwischen Houston und Apollo XI abgehört hatten und die Bänder heute noch existierten. In diesem Fall müssten die meisten Leute von Jodrell Bank von der NASA bestochen worden sein, das Maul zu halten, denn die Mondlandung war ja angeblich ein Betrug.

Selbstverständlich haben auch die Russen den Funkverkehr zwischen Erde und Mond abgehört. Wenn die Mondlandung ein Schwindel war, warum haben die Kommunisten damals, immerhin am Höhepunkt des kalten Krieges, geschwiegen? Die schlichte Kommune der Mondverschwörologen „weiß“ es. Es gab ein Geheimabkommen zwischen den USA und der Sowjetunion. Demnach gestatteten die Amerikaner den Russen großzügig den ersten bemannten Raumflug. Im Gegenzug revanchierten sich die Russen und erlaubten den Amerikanern die erste bemannte Mondlandung. Woher schließlich kommen die Mondgesteine? Die stammen aus „geheimen“ Bergwerken auf der Erde.

Liest man die Verschwörungsgeschichten der Mondlandungszweifler durch, bleibt nur Staunen übrig ob solch aufgekratzten Unsinns. Welche Rolle spielt hier Occam’s Razor, wonach die einfachste Theorie die beste ist? In diesem Falle lautet sie: Die Amerikaner waren auf dem Mond. Verschwörungslegenden kann man ohnehin – auch nach Ostern – getrost den Hasen geben.




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz