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DER KONFLIKT


Beim Jahrestreffen des AAAS-Wissenschaftsverbands (American Association for the Advancement of Science) wurde kürzlich das Ergebnis einer Umfrage präsentiert, die wegen der hohen Zahl von 10.000 Befragten sehr repräsentativ ist. Jeder vierte erwachsene Amerikaner weiß nicht, dass sich die Erde einmal im Jahr um die Sonne bewegt. Damit ist klar, wie groß die Minderheit der radikalen Bildungsverweigerer ist, denn für dieses Unwissen kann man nicht einmal die Schulen verantwortlich machen.

Ungefähr 90 Prozent der Amerikaner gaben an, dass ihrer Meinung nach Gott oder zumindest eine unpersönliche höhere Macht ganz oder zum Teil für die Entstehung des Universums, der Lebewesen und schließlich der Menschen zuständig sei. Etwa die Hälfte (!) der Amerikaner glaubt den Kreationisten, wonach unsere Erde im Jahr 4004 vor Christus erschaffen wurde. Diese Zahlen sind kaum zu glauben, denn in Europa haben wir es mit einer ganz anderen Situation zu tun.

Fast alle gläubigen Europäer können gut mit einer Symbiose von Wissenschaft und Religion leben, auch wenn das schwer fällt. Der österreichische Humangenetiker Univ. Prof. Hengstschläger hat einmal gemeint: „Genetiker und gleichzeitig Christ sein – das ist hart.“ In Amerika sieht die Sache anders aus. Nicht weniger als ein Drittel der Amerikaner sieht einen unauflöslichen Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft. Demnach gibt es keine Synthese zwischen Glauben und Wissen, sondern eine Mauer zwischen beiden Kategorien. Diese Entwicklung hin zu den Wissenverweigerern wird von amerikanischen Wissenschaftlern vermehrt als Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA angesehen, denn Wissenschaft und Wirtschaft sind untrennbar verbunden. Die bibeltreuen Kreationisten verbreiten sich in den USA zunehmend. Besonders Anhänger der Republikaner definieren sich selbst verstärkt durch eine Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Die öffentliche Berichterstattung hat einen Anteil an Fehlinformationen. So hört man immer wieder, es könne nicht sein, dass die Lebewesen durch Zufall entstanden sind. Der Schöpfer der modernen Evolutionstheorie, Charles Darwin, hat nie von Zufall gesprochen, höchstens von Chancen. Der Zufall spielt in der Quantenphysik eine zentrale Rolle, nicht aber in der Evolution. Hier gibt es leider enorme Wissensdefizite.

Die USA sind ein großes, widersprüchliches und erfolgreiches Land, aber wenn sie der bigotten Wissenschaftsskepsis nicht Einhalt gebieten, führt das in eine Sackgasse. Die Österreicher machen es sich wie immer bequem. Wir sind keine Wissenschaftsskeptiker, uns ist die Wissenschaft mehr oder minder egal. Nächste Woche mehr dazu.




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz