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SCHRÄGE PHILOSOPHIE (1)


Philosophen sitzen in ihren Elfenbeintürmen oder stehen mit beiden Beinen fest in den Wolken schwebend, um mit verhaltenem Flügelschlag die entfernte Realität zu kommentieren. Dieses Zerrbild eines Philosophen ist schwer auszurotten, auf die meisten Denker und Wissenschaftler trifft es jedenfalls nicht zu. Die wirklich intelligenten Philosophen und Forscher  (Philosophie bedeutet wörtlich „Liebe zur Weisheit“) waren neben aller Ernsthaftigkeit im Denken in ihrem Herzen humorvolle Menschen oder auch Rabauken, die beim Schreiben statt einer Feder gleichsam einen Prügel in Händen hielten.

„Also wenn ich solches Zeugs lese, dann frage ich mich verwundert: ist das Dummheit oder Niederträchtigkeit? Schwatzt der Bursche so, weil er wirklich so stupid ist, den hohlsten Wortkram, den barsten Unsinn, für Weisheit zu halten oder weil er einen Botenlohn oder Zehrpfennig für das Verkündigen dieses Evangeliums erhofft? Meistens inkliniere ich, für Letzteres zu entscheiden. Denn obwohl Dummheit im Nationalcharakter der Deutschen liegt, worüber das ganze Ausland einig ist, so ist doch Niederträchtigkeit und Feilheit der Grundcharakter der deutschen Literatur dieses Jahrhunderts.“ Der politisch völlig unkorrekte Text stammt von Artur Schopenhauer (1788-1860). Damit beschimpft er Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831), den Schöpfer des Deutschen Idealismus und ein Schutzpatron der Marxisten. Wenn das Karl Marx gewusst hätte! Wenn ihm jemand nicht gefiel, und dazu zählte auch Hegel, dann sagte Schopenhauer: „Ja, es gibt Gesichter, durch deren bloßen Anblick man sich verunreinigt fühlt.“ Schopenhauer hatte eine Jugendliebe namens Caroline, aber auf die Frauen war er nicht gut zu sprechen: „Dass das Weib seiner Natur nach zum Gehorchen bestimmt sei, gibt sich daran zu erkennen, dass eine jede … alsbald sich irgendeinem Manne anschließt, von dem sie sich lenken und beherrschen lässt. Ist sie jung, so ist es ein Liebhaber, ist sie alt, ein Beichtvater.“ Das letzte Zitat ist noch eines der harmloseren.

Politiker, Gelehrte und Kirchenfürsten mochte Schopenhauer ganz und ganz nicht: „Der Arzt sieht den Menschen in seiner ganzen Schwäche, der Jurist in seiner ganzen Schlechtigkeit, der Theologe in seiner ganzen Dummheit.“ Zur Politik des 19. Jahrhunderts sagte Schopenhauer einmal: „Ein Haupthindernis des Fortschritts des Menschengeschlechtes ist, dass die Leute nicht auf die hören, welche am gescheitesten, sondern auf die, welche am lautesten reden“. Es hat sich diesbezüglich bis heute nichts geändert. Wer Philosophie von seiner schrägsten Seite sehen möchte, der sollte Schopenhauers „Theorie des Lächerlichen“ lesen. Wunderbar!




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz