zurück Übersicht weiter

QUANTENTHEORIE DER GEISTER


Die amüsante Geschichte vom Weihnachtsmann, den es aus physikalischen Gründen nicht geben kann, wird alljährlich in vielen Zeitschriften veröffentlicht. Santa Claus müsste beispielsweise so schnell sein, dass die Luftreibung die Rentiere in Flammen aufgehen lässt.  In den angelsächsischen Ländern haben die Naturwissenschaften schon immer eine größere Rolle gespielt als bei uns, daher gab und gibt es dort Bücher und Zeitschriften, in denen geistreich auf hoher Ebene geblödelt wird. Bekannt sind „The Worm Runner’s Digest“, „Bau und Leben der Rhinogradentia“, „The Journal of Irreproducible Results“ (www.jir.com) und viele andere.

Der Fasching neigt sich dem Höhepunkt zu, daher sei die Grundlage der quantenmechanischen Geistertheorie vorgestellt. Geister, auch Gespenster genannt, können nach übereinstimmenden Berichten in alten Schlössern Wände von 10 Zentimetern durchdringen, nicht aber die dicken Außenwände aus Stein. Nach der Vorstellungen der Wellenmechanik der Nobelpreisträgers Erwin Schrödinger und Louis de Broglie handelt es sich somit um Objekte, deren Wellenfunktion auf 37 Prozent ihrer Amplitude innerhalb einer Eindringtiefe von etwa 10 cm Wanddicke abfällt. Daraus lässt sich ein Massenvergleich mit Elektronen berechnen. Ein Geist hat demnach eine Masse von nur 10-46 Kilogramm. Das ist eine Zahl an der 46. Stelle hinter dem Komma. Geister sind also außerordentlich leicht. Selbstverständlich kann ein so ultraleichtes Objekt mit wenig Energie auf eine hohe Geschwindigkeit beschleunigt werden. Die Fluchtgeschwindigkeit einer Raumsonde beträgt auf der Erde knapp 41.000 km/h. Man benötigt nur 10-18 Joule, um einen Geist auf diese Geschwindigkeit zu bringen. Jeder schwache Windhauch schickt also einen feinstofflichen Geist auf eine Reise durch das Sonnensystem hinaus zu den Sternen. Unser Sonnenwind reicht sogar aus, die Geister fast auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen.

Geister, egal welchen Ursprungs, wird man daher auf der Erde nur innerhalb dicker Schlossmauern oder in Bunkern antreffen, während das Weltall voll von Geistern sein muss. Trifft man in einem Schloss auf einen erregten Geist und ärgert ihn, so nimmt seine Erregung und damit Geschwindigkeit zu. Laut Einsteins Relativitätstheorie erhöht sich seine Masse  und seine Wellenlänge verringert sich (nach Schrödinger). Damit kann er aber nicht einmal eine geschlossene Tür durchdringen. Will man also Geister loswerden, ist Gewaltanwendung - streng wissenschaftlich betrachtet - kontraproduktiv. Man muss sie beruhigen, die Raumtemperatur abkühlen und die Gespenster dadurch abbremsen. Dann können sie durch die Wände gleiten, das Schloss verlassen und ins All verschwinden.




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz