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POSITIVE ERGEBNISSE


Täuschungen bringen die Naturwissenschaften immer wieder in Verruf. Im Film „Auf der Flucht“ mit Harrison Ford wird gezeigt, wie ein Wissenschaftler in Chicago Testergebnisse eines gesundheitsgefährlichen Medikaments verfälscht, um eine staatliche Lizenz zu erzwingen. Die Geschichte ist erfunden, in der Realität kommen derartige Betrügereien jedoch regelmäßig vor.

Die Psychologie ist überdurchschnittlich häufig von Betrug betroffen. Man muss nur die Bücherwände mit Psychoratgebern in großen Buchhandlungen abzählen. Was hier an „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ präsentiert wird, ist meist hastig zusammengeschrieben und wertlos. All diese verkündeten Psycho-Neuigkeiten kann die Wissenschaft gar nicht leisten. Auch Psychologie-Fachzeitschriften sind voll von „Ergebnissen“, die keiner Überprüfung standhalten. Viele Hypothesen scheitern im Wiederholungsexperiment, weil laut Expertenmeinung viele Experimente zu schnell und zu oberflächlich durchgeführt werden. Der häufigste Fehler liegt in zu geringen Stichprobenzahlen. Ein weiterer Fehler liegt in der Art der Befragung. Die Frage „Sind sie für …?“ ergibt gänzlich andere Ergebnisse als die Frage „Sind Sie auch der Meinung, dass …?“

Psychologie-Fachzeitschriften neigen auffallend häufig dazu, positive Studien zu veröffentlichen, denn Journale berichten gerne über vermeintlich spannende Ergebnisse. Im Rahmen statistischer Untersuchungen wurde feststellte, dass 97 Prozent der psychologischen Studien in bedeutenden Fachjournalen Positivergebnisse enthalten. Das ist illusorisch, doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein veröffentlichtes Ergebnis positiv ausfällt, ist in der Psychologie um ein Vielfaches höher als in den Naturwissenschaften, wo regelmäßig berichtet wird, dass etwas nicht funktioniert oder eine zuvor publizierte Hypothese falsch ist.

Ein ähnliches Problem gibt es in der Pharmaforschung. Positive Ergebnisse sind beliebter, egal ob sie stimmen oder nicht. Erst kürzlich wurde wieder ein Fall bekannt. Ein deutscher Biologe, der Krebsmedikamente zu testen begann, wunderte sich, wie schnell ein Kollege in Neapel Ergebnisse präsentierte. „Was nicht stimmt, wird hingetrimmt“ traf hier offenbar zu, denn italienische Staatsanwälte ermitteln inzwischen wegen Betrugs. Das Problem ist so drängend geworden, dass kommerzielle Dienstleister mittlerweile anbieten, Experimente gegen Bezahlung unabhängig zu wiederholen, um die Ergebnisse zuverlässig zu machen. Während in der Medizin und den Naturwissenschaften Fehler meist nach kurzer Zeit entdeckt werden, können falsche Hypothesen in der Psychologie leider Jahrzehnte überdauern.




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz