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DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT


Im August 1914, also vor fast 100 Jahren, ist der erste Weltkrieg ausgebrochen. Der österreichische Schriftsteller Karl Kraus schrieb „Die letzten Tage der Menschheit“ als Tragödie mit Vorspiel und Epilog als Reaktion auf dieses Unglück. In über zweihundert einzelnen Szenen, die teilweise auf wahren Quellen beruhen, wird die Absurdität der Kriegsmaschinerie dargestellt. Das Stück wurde wegen seiner Monstrosität auf Bühnen noch nie vollständig aufgeführt. Einige Zitate sind in der öffentlichen Berichterstattung und durch eine legendäre Aufnahme von Helmut Qualtinger bei älteren Zeitgenossen hängen geblieben: „Ein jeder Schuss ein Russ! Ein jeder Stoß ein Franzos! Serbien muss sterbien!“

Der erste Weltkrieg stand am Beginn des Zeitalters der voll technisierten Feldzüge mit Panzern, Flugzeugen, Giftgas und U-Booten. Das Ende der Menschheit wurde damit nicht bewirkt. Auch der zweite Weltkrieg vernichtete die Menschheit nicht. Das schafften nicht einmal die Massenmörder Adolf Hitler, Josef Stalin und – mit über 50 Millionen Opfern der allerschlimmste von ihnen – der kommunistische Führer Mao tse tung.

Der südostasiatische Tsunami vom Dezember 2004 setzte eine unterirdische tektonische Energie von (geschätzten) 100.000 Megatonnen militärischen Sprengstoffes frei. Das entspricht ungefähr der Sprengkraft von vier Millionen Hiroschimabomben. Das Unglück kostete zahlreiche Leben, aber vom Ende der Menschheit war die Sache weit entfernt.

Einmal im Jahr fällt ein Meteorit von der Größe eines PKW auf die Erde. Das spielt kaum eine Rolle, weil er großteils verglüht. Alle tausend Jahre kommt ein Meteorit in Hochhausgröße angeflogen. Der erzeugt eine Mords-Flutwelle oder reißt ein Loch, wie etwa den 1,5 Kilometer breiten „Barringerkrater“ in Arizona, das ist der am besten erhaltene Einschlagkrater der Welt.

Einmal in einer Million Jahren kommt ein Gesteinsbrocken in der Größe eines kleinen Bergs herunter. Das kostet die Erde bereits ein empfindliches Artensterben. Etwa alle 100 Millionen Jahre trifft ein kosmisches Monstrum die Erde und vernichtet radikal alle Lebewesen, die schwerer als zwanzig Kilogramm sind. Zum letzten Mal ist das vor 65 Millionen Jahren geschehen, es führte zum Aussterben der Saurier.

Eine Sternenexplosion in Form einer Supernova kommt als globaler Killer nicht in Frage, denn der nächste Explosionskandidat im Spikasystem (Sternbild Jungfrau) ist 260 Lichtjahre entfernt. Wir müssten also entweder alle Atombomben gleichzeitig zünden oder mit der Bevölkerungsexplosion und der Ressourcenverschwendung so weiter machen wie bisher. Dann lägen die letzten Tage der Menschheit im Bereich des Machbaren.




© 2014 Rudolf Öller, Bregenz