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WEIHNACHTSSTERN ISON


Vor genau einem Jahr, es war der 21. September 2012, entdeckten der Weißrusse Witali Newski und der Russe Artjom Nowitschonok mit Hilfe eines 40 Zentimeter-Teleskops des  „International Scientific Optical Network“ (ISON) ein unbekanntes Objekt im Sternbild Krebs. Beide waren sich nicht sicher, ob es sich um einen Kometen oder einen gewöhnlichen Asteroiden handelt, eines von vielen Trümmern, die zwischen Mars und Jupiter um die Sonne kreisen. In ihrer Meldung an das Central Bureau for Astronomical Telegrams (CBAT) erwähnten sie jedenfalls keinen Kometen. Erst als andere Astronomen später die Entdeckung genauer unter die Lupe nahmen, wurde klar, dass da ein großer Komet im Anflug ist. Das CBAT gab dem Kometen den Namen „ISON“.

Asteroiden sind Felsblöcke oder auch feste Ansammlungen von Gesteinsschutt. Kometen sind dagegen ein Gemisch aus Eis, Staub und Brocken, man nennt sie auch "schmutzige Schneebälle". Diese Gebilde sind zusammen mit dem Sonnensystem entstanden. Seither umkreisen hunderte oder sogar tausende Milliarden von ihnen die Sonne in mehr als einem halben Lichtjahr Entfernung in der Oortschen Wolke. Vergleiche mit älteren Fotos zeigten, dass ISON bereits im Jänner 2012 zu sehen war, daher kann seine Flugrichtung berechnet werden, und sie zeigt einen aufsehenerregend hellen Stern für das diesjährige Weihnachtsfest. Den aktuellen Prognosen zufolge wird ISON von Mitte November 2013 bis Mitte Januar 2014 mit bloßem Auge sichtbar sein und einen gewaltigen Dampfschweif nach sich ziehen. Wie große der Schweif tatsächlich sein wird, kann jetzt noch nicht gesagt werden, da der Komet neu und seine Wasser- und Staubmenge noch nicht genau bekannt ist.

Die Kometenbahn ist zurzeit 62 Grad gegen die Erdbahnebene geneigt, je näher der Komet der Sonne kommt, desto mehr schwenkt er in Richtung Erdbahnebene ein. Da ISON von der Erde aus gesehen rechts der Sonne auftaucht, ist er zunächst nur am Morgenhimmel sichtbar. Wenige Tage vor seiner Spitzkehre hinter der Sonne wird er in der hellen Dämmerung verschwinden. Vom 27. bis  29. November wird ISON voraussichtlich so hell sein, dass man ihn sogar am Tag direkt neben der Sonne sehen kann. Ein Augenschutz wird dazu nötig sein. Ab Dezember macht sich der Komet in mittleren und hohen nördlichen Breiten, also auch bei uns, in der Abenddämmerung links der Sonne bemerkbar.

Den Stern von Bethlehem gab es tatsächlich. Er war kein Komet, sondern eine mehrere Monate dauernde Konjunktion (Begegnung) der beiden Planetengötter Saturn und Jupiter im Sternbild der Fische. Für die sternenkundigen Menschen damals galt das als Ankündigung der Geburt eines jüdischen Königs, denn für die Babylonier war das Sternbild der Fische das Symbol Israels. 

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© 2013 Rudolf Öller, Bregenz