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PROFESSOR ZUFALL: RÖNTGEN


Wilhelm Conrad Röntgen wurde in Lennep, eine Kleinstadt im Rheinland, als Sohn einer Holländerin und eines Deutschen geboren. Röntgen studierte in Holland und in der Schweiz und promovierte an der Universität Zürich. Er kehrte nach Deutschland zurück, wo er zunächst als Universitätsassistent arbeitete. 1875 begann Röntgen eine zunächst unauffällige Karriere als Universitätsprofessor, doch bald zeigte sich sein experimentelles Talent. Röntgen bewies, dass der durch die Bewegung elektrischer Ladungen erzeugte Strom mit dem Strom im Draht identisch ist. Das ist heute eine banale Erkenntnis, damals war es neu.

1888 wurde Röntgen Professor an der Universität Würzburg, was nicht einfach war, denn Röntgen hatte nie Latein gelernt, was in Bayerns Universitätswelt damals als Makel galt. Im November 1895 arbeitete Röntgen mit einer „Hittorf-Crook-Röhre“. Er wollte Kathodenstrahlen (freie Elektronen) untersuchen. Im Prinzip handelte es sich bei der Röhre um einen luftleer gepumpten Glaszylinder mit münzgroßen Elektroden an jeder Seite. In der Nähe der Röhre befand sich zufällig ein mit Bariumcyanid behandeltes Papier. Röntgen hüllte die Röhre vollständig in einen dunklen Karton und setzte sie unter eine hohe elektrische Spannung. Er war völlig überrascht, als das Bariumcyanidpapier aufleuchtete. Offenbar hatte eine geheimnisvolle Strahlung das Papier zum Leuchten gebracht, obwohl die Kathodenstrahlröhre völlig abgedeckt war. Röntgen drehte die Röhre und das Papier in alle Richtungen, aber das Leuchten verschwand nicht. Der Reihe nach hielt Röntgen Gegenstände vor den Bariumcyanidschirm. Die Gegenstände wurden auf dem Papier abgebildet, sahen aber seltsam durchsichtig aus. Als er seine eigene Hand vor den Schirm hielt, sah er die feinen Umrisse der Finger und darin seine Knochen.

Röntgen sprach mit niemandem über seine Entdeckung, nur seine Frau bemerkte seine Unruhe. Er wiederholte seine Versuche, verwendete aber später statt eines fluoreszierenden Schirms Fotoplatten, womit er seine Entdeckung eindeutig beweisen konnte. Wenige Tage vor dem Jahresende 1895 übergab Röntgen der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft in Würzburg eine Mitteilung, die kurz darauf gedruckt und verbreitet wurde. In der kurzer Studie wurden die ersten Experimente mit den damals unbekannten „X-Strahlen“ beschrieben. Die Veröffentlichung löste einen enormen Wirbel aus. Kathodenstrahlröhren gab es in mehreren Labors in Europa, daher konnte die Entdeckung sofort überprüft werden. Wilhelm Conrad Röntgen erhielt 1901 den ersten Physiknobelpreis, seine Entdeckung hat die Medizin und die Festkörperphysik revolutioniert.




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz