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PROFESSOR ZUFALL: NEWTON


Isaac Newton wurde nach dem in England noch üblichen julianischen Kalender am 24. Dezember 1642 geboren. Im katholischen Kontinentaleuropa war bereits der genauere gregorianische Kalender im Gebrauch, Newtons Geburtstag war demnach der 4. Jänner 1643. Als Isaac drei Monate nach dem Tod seines Vaters zur Welt kam, war er so klein und schwach, dass seine Mutter Angst hatte, er würde nicht überleben. Es ist schwer, sich über diese außergewöhnlich komplizierte Persönlichkeit eine Meinung zu bilden, denn Newton war nicht nur von herausragender Intelligenz, er war auch ein unnachgiebiger, bisweilen sogar bösartiger Mensch, dem es Spaß machte, seine wissenschaftlichen Gegner so lange zu drangsalieren, bis diese aufgaben, manchmal sogar seelisch zusammenbrachen.

Newton hatte die Fähigkeit, schwierige mathematisch-physikalische Probleme vor seinem geistigen Auge so ausdauernd zu bearbeiten, bis sie gelöst waren. Weniger bekannt dürfte sein, dass er sich auch für Alchimie interessierte. Aus seinen privaten Aufzeichnungen geht hervor, dass er sich auch mit religiösen Fragen beschäftigte, sich dabei aber von den Dogmen der (anglikanischen) Kirche klammheimlich entfernte, womit er eine gewisse Tradition unter den Naturwissenschaftlern begründete.

Es ist unmöglich, Newtons Leistungen auf den Gebieten der Mathematik, Physik und Astronomie in aller Kürze aufzuzählen. Newtons Größe ist vielleicht daran zu erkennen, dass vor einigen Jahren amerikanische Wissenschaftler Newtons Werk „Philosophiae naturalis principia mathematica“ (Die mathematischen Grundlagen der Naturphilosophie) als bedeutendste wissenschaftliche Leistung der Menschheitsgeschichte bezeichneten.

Als 1665 die Pest England heimsuchte, wurde die Universität Cambridge vorübergehend geschlossen, wo Newton gerade seinen Bachelor erworben hatte. Er zog zu seiner Mutter auf das Land. Angeblich brachte ihn ein zufällig fallender Apfel auf eine Idee. In Newtons Memoiren findet sich folgende Notiz: „Im selben Jahr begann ich darüber nachzudenken, ob die Schwerkraft bis  zur Umlaufbahn des Mondes reicht. … Ich verglich anhand der Regel von Johannes Kepler die Kraft, die erforderlich ist, um den Mond in seiner Umlaufbahn zu halten mit der Schwerkraft auf der Erde und fand eine ziemlich genaue Entsprechung der beiden.“ Das war eine der größten philosophischen Revolutionen, wenn nicht sogar die größte. Der allseits anerkannte griechische Philosoph Aristoteles unterschied immer zwischen irdischen und himmlischen Gesetzen. Ausgerechnet der religiöse Newton setzte dem ein Ende: Die auf der Erde nachweisbaren Naturgesetze reichen in das gesamte beobachtbare Universum.




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz