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ABDUL KADIR KHAN


Die Kubakrise vor einem halben Jahrhundert schrammte am Weltuntergang vorbei, das zeigen kürzlich veröffentlichte Geheimdokumente. Die auf Kuba stationierten sowjetischen Atomraketen waren einsatzbereit. In den US-Kommandoständen der atomar bestückten „Minutemen“-Interkontinentalraketen waren die Computer so umprogrammiert worden, dass ein Start durch diensthabende Offiziere jederzeit durchführbar gewesen wäre, denn die US-Militärs wollten der Sowjetunion keine Chance lassen, im Fall eines atomaren Angriffs ungeschoren davonzukommen. Der drohende weltweite Atomkrieg war erst in letzter Sekunde verhindert worden. Der Glaube, dass jegliche atomare Bedrohung der Vergangenheit angehört, ist ein Irrtum. Die Welt ist seit dem Ende des kalten Krieges nicht sicherer geworden, wie der gegenwärtige Bürgerkrieg in Syrien zeigt.

Wenige Monate nach den ersten pakistanischen Atomwaffentests im Mai 1998, provozierte das pakistanische Militär die Inder, indem sie als Mudschahedin-Guerillas verkleidete Soldaten in den von Indien beanspruchten Teil Kaschmirs schickten um dort Unruhe zu stiften. Gleichzeitig baute der pakistanische Atomphysiker Abdul Kadir Khan ein Netzwerk auf, das Atomtechnik einkaufte, weiter entwickelte und wieder verkaufte.

Khan wurde 1936 in einer muslimischen Familie in Indien geboren, 1952 ging er als Maschinenbaustudent nach Pakistan. Später studierte er in Berlin und Delft und promovierte an der katholischen Universität Leuwen in Belgien. Khan ist seither ausgebildeter Maschinenbauingenieur und Fachmann für Metallurgie. Wegen laxer Sicherheitsbestimmungen erhielt Khan den Zugang zu einer holländischen Firma, die Ultrazentrifugen baut - eine Technik, die zum Bau von Atombomben benötigt wird. Nach der Detonation der ersten indischen Atombombe im Mai 1974 beauftragte der damalige pakistanische Ministerpräsident Zulfikar Ali Bhutto den Atomwaffenexperten Khan, die Atombombe zu bauen, denn Pakistan ist kein politischer Gegner Indiens, sondern dessen Todfeind. Jahre später wurde Dr. Khan beschuldigt, Atomtechnologie an den Iran, an Libyen und Nordkorea weitergereicht zu haben. Nach anfänglichem Leugnen gab Khan zu, dies im Auftrag der pakistanischen Regierung getan zu haben. Der Wissenschaftler als Atomterrorist! Das „Gleichgewicht des Schreckens“ im kalten Krieg wurde zum schrecklichen Ungleichgewicht unserer Tage.

Europas Schulden- und Arbeitslosenprobleme verstellen zurzeit den Blick darauf, dass Atomphysiker und religiös oder ideologisch unterlegte Regierungen an einer „Kubakrise neu“ basteln, denn auch Israel hat die Bombe. Wer ohne Besonnenheit ist, werfe den ersten Sprengsatz!




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz