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DAS KALTE NETZ


Ein Programmierer hat den letzten großen Datensammelskandal der „National Security Agency“ (NSA) - das ist der mächtigste Geheimdienst der USA - öffentlich gemacht. Die unvermeidliche internationale Aufregung verstellt etwas den Blick auf die Tatsache, dass das Internet von Anbeginn an ein militärisches Projekt war.

Die RAND Corporation, Amerikas weltweit agierende Denkfabrik, wurde während des "kalten Krieges" mit einem strategischen Problem konfrontiert. Wie könnte die amerikanische Regierung nach einem Nuklearangriff mit militärischen Einheiten und Behörden kommunizieren? Es wurde eine radikal neue Lösung gefunden. Das Netzwerk sollte keine zentrale Autorität besitzen, es wurde von Beginn an dafür konzipiert, mit Datenpaketen zu operieren. Alle Computerknoten im Netzwerk haben den gleichen Status beim Versenden, Weitergeben und Empfangen von Nachrichten. Die Nachrichten werden in Softwarepakete aufgeteilt und jedes getrennt adressiert. Sie starten von einem gemeinsamen Computer und kommen an einem Zielcomputer wieder zusammen. Jedes Paket sucht sich seinen eigenen Weg durch das Netzwerk. Im Falle der Zerstörung eines Teils des Computernetzes spielte das keine Rolle, da die Dateien immer einen Weg zum Ziel finden würden. Das Netz ging 1969 in Kalifornien als „ARPANET“ in Betrieb, wurde nach und nach verbessert, erhielt  beim europäischen Kernforschungszentrum CERN als „Worldwide Web“ seine heutige Form und nennt sich seither „Internet“.

Das Internet bewährte sich am 11. September 2001, nachdem das World Trade Center, in dem sich ein leistungsstarker Internetknoten befand, vernichtet worden war. Das Internet funktionierte trotzdem weiter. Die Sache hat nur einen Haken. Alle unserer Aktionen im Internet laufen über verschiedene Stationen.

Bei Windows-PCs und Apple-Computern gibt es spezielle Fenster namens „Eingabeaufforderung“ und „Terminal“, in denen nach Eingabe bestimmter Befehle eine aktive Datenleitung angezeigt wird. Die Routenverfolgung zwischen Vorarlberg und dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zeigte auf meinem Rechner unter anderen die Adressen 81.189.149.1 (ein Rechner in Wien),  130.244.64.187 (Schweden) und 195.71.10.203 (Westfalen) um nur drei zu nennen. Sind europäische Leitungen überlastet, werden die Dateien über „Mainframes“ in den USA umgeleitet, ohne dass wir das merken. Dort lesen die US-Geheimdienste kaltblütig mit. Ob auch europäische Internetserver angezapft werden, wissen wir nicht. Immerhin gibt es Gerüchte über Bestechungsversuche.

Das Internet ist ein Kind des kalten Krieges. Es war immer ein zentrumsloses und damit kaltes Netz, wie geschaffen für Geheimdienste.




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz