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PIERRE MAGNOL


Was machen Zoologen, Botaniker, Teilchenphysiker, Geografen, Historiker, Geologen und andere Forscher, wenn es gilt, einen Überblick über eine Vielfalt zu bekommen und zu dokumentieren? Sie unterteilen. Kontinente teilen sich in Länder, diese in Regionen oder Bundesländer, und am Ende landet man bei Städten, Stadtteilen, Straßen und Häusern. Der Geologe unterteilt in Erdaltertum, Erdmittelalter, Erdneuzeit. Das Erdmittelalter unterteilt sich in Trias, Jura, Kreide usw.
 
Besonders schwer haben es Zoologen, weil es Millionen Tierarten gibt. Obwohl der Mensch nach Meinung von Theologen und Philosophen die Krone der Schöpfung ist, wird er von Zoologen gnadenlos eingereiht. Der Mensch (Homo sapiens) gehört zur Gattung Homo, zur Familie Menschenaffen, zur Überfamile Menschenartige, zur Ordnung Primaten, zur Klasse Säugetiere zum Unterstamm Wirbeltiere und schließlich zum Stamm Chordata. Diese Zuteilungen erfolgten noch vor wenigen Jahrzehnten durch mühevolle Analyse anatomischer Merkmale und der Untersuchung von Embryos. Inzwischen kann man mit Hilfe gentechnischer Methoden Verwandtschaftsbeziehungen erkennen. So wissen wir heute, dass sich menschliche Chromosomen von Schimpansenchromosomen kaum unterscheiden, was kein Zufall sein kann. Die Verwandtschaftsbeziehungen von Menschen und Forellen aufzudecken, ist schon schwieriger, trotzdem konnten Evolutionsbiologen ein kleines Wesen namens „Pikaia gracilens“ als gemeinsamen Vorfahren aller Wirbeltiere identifizieren.

Die Botaniker standen und stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie die Zoologen. Pierre Magnol war ein vielseitig begabter Naturforscher. Er studierte Medizin und Botanik an der Universität seiner Heimatstadt Montpellier. Nach dem Studium unternahm Magnol Reisen durch Frankreich von den Pyrenäen bis zu den Alpen, um seine botanischen und geografischen Kenntnisse zu erweitern. Als Calvinist hatte Magnol ein Problem, denn nach dem dreißigjährigen Krieg wurde ihm im katholischen Südfrankreich eine wissenschaftliche Karriere unmöglich gemacht. Trotz seiner Qualifikation wurde er mehrmals übergangen. Erst nachdem Magnol zum Katholizismus konvertiert war, konnte er den Lehrstuhl für Medizin und Botanik seiner Heimatstadt übernehmen. Kurz darauf wurde er zum Leiter des königlichen Botanischen Gartens ernannt. Nach Untersuchungen vieler Blütenpflanzen führte Magnol den Begriff der „Familie“ in die Botanik ein. So zählt etwa Jasmin zur Familie der Ölbaumgewächse, der Apfel zu den Rosengewächsen.

Pierre Magnol, der Namensgeber der Familie der Magnolien, wurde am 8. Juni 1638 geboren. Die Botaniker feiern heute seinen 375. Geburtstag.




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz