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DIGITALE DEMENZ (2)


DDr. Manfred Spitzer, Professor für Psychiatrie, moderiert auf Bayern-Alpha  die Sendung „Geist und Gehirn“. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, in denen er nachweist, dass das Surfen im Internet weniger mit Lernen als mit schleichender Verdummung zu tun hat. Sein letztes Werk „Digitale Demenz“ ist eines der unangenehmsten Sachbücher der letzten Jahre.

Im Februar 2012 veröffentlichte das US-Forschungszentrum „Pew Research Center“ eine Befragung von über tausend Internetexperten, wie die Internetgeneration im Jahr 2020 aussehen könnte. Etwa die Hälfte der Befragten war der Meinung, dass die jungen Leute mit Hilfe des Computers gelernt haben werden, ihr Leben besser zu managen, berufliche Anforderungen im Griff zu haben und Informationsquellen im Internet besser anzapfen und verwerten zu können. Die andere Hälfte der Experten war anderer Meinung. Demnach werden bis 2020 die Hirne der Menschen bis ca. 30 Jahren einfacher geschaltet sein. Die „Generation Google“ (etwa ab dem Jahrgang 1990) hat ein schlechteres Gedächtnis, kommuniziert per Facebook oder SMS mit belanglosen grammatikalischen Krüppelsätzen und hat die Fähigkeit verloren, sich längere Zeit auf etwas zu konzentrieren und komplexe Zusammenhänge zu analysieren. In einer Zusatzanalyse merkten die Autoren der Studie an, dass die meisten der Optimisten („Internet verbessert unser Gehirn“) angaben, ihre Ansicht drücke lediglich eine Hoffnung aus. Ein noch genauerer Blick auf die „Experten“ zeigt, dass die Internet-Optimisten großteils aus Leuten von Microsoft und anderen Elektronikfirmen bestehen.

Prof Spitzer bespricht in seinem Buch zahlreiche Forschungsergebnisse der letzten Jahre und kommt am Ende zu einem Ergebnis: Computer verarbeiten Informationen, Menschen auch. Daraus wird fälschlicherweise abgeleitet, dass Computer ideale Lernwerkzeuge sind. Gerade weil jedoch Computer uns geistige Arbeit abnehmen, taugen die angepriesenen Laptops nicht zum besseren Lernen. Spitzers Fazit: Die älteren Generationen haben komplex verschaltete Gehirne, weil sie das Kopfrechnen lernten, Sachverhalte mühsam in Bibliotheken suchten, sich öfter an der frischen Luft bewegten und sich gesünder ernährten. Ein Pensionist, der täglich vor dem TV-Gerät oder dem PC verbringt, baut ab, aber sein in der Jugend trainiertes Gehirn behält er. Ein Gehirn, das der Generation Google fehlen wird.

Welche Faktoren sind es dann, die einen Lernerfolg bewirken können? Prof. Spitzer deutet es an und Prof. Hattie weist es in seiner viel beachteten Metastudie „Visible Learning“ nach. Es ist weder die Technik noch die Klassengröße noch der Schultyp. Es ist die Persönlichkeit des Lehrers.




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz