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MÜTTER DER WISSENSCHAFT


Frau und Karriere passen seit rund hundert Jahren zusammen, aber Mutter und Karriere? Es funktioniert, auch wenn man keine Monarchin ist, wie anhand einiger Beispiele gezeigt wird.

An erster Stelle sei Kaiserin Maria Theresia (tatsächlich regierende Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn, Kroatien und Böhmen) erwähnt, die mit ihren 16 Kindern von einem ihrer Berater ehrfurchtsvoll „Mutter der Völker“ genannt wurde und zu den größten Reformerinnen Österreichs zählt. Bekannt ist die Einführung der Schulpflicht durch ihre Verordnung „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt und Trivialschulen in sämmtlichen Kayserlichen Königlichen Erbländern“. Unbekannt sind andere ihrer nachhaltigsten Maßnahmen, denn Maria Theresia war zwar eine brave Katholikin, andererseits den Wissenschaften gegenüber aufgeschlossen. Sie war eine der ersten Mütter, die ihre Kinder gegen Pocken impfen ließ, außerdem begründete sie das erste staatlich kontrollierte Eichwesen der Welt. Die im Handel verwendeten Maßeinheiten mussten streng normiert sein, eine Reform, die nicht nur der Wirtschaft, sondern auch den Wissenschaften langfristig zugutekam.

Marie Curie gilt als Paradefrau in den Wissenschaften, weil sie gemeinsam mit ihrem Mann Pierre Curie die ersten radioaktiven Elemente isolierte und als erste Frau an der Sorbonne unterrichte. Marie Curie hatte zwei Töchter, eine davon, Irène Curie, wurde später ebenfalls Nobelpreisträgerin, danach Wissenschaftsministerin.

Die Astronomin Cecilia Payne-Gaposchkin (1900-1978), war Mutter von drei Kindern. Sie schrieb als Studentin an der Harvard University eine der eindrucksvollsten Doktorarbeiten des 20. Jahrhunderts. Darin weist sie als erste Wissenschaftlerin nach, dass das gesamte Universum und die selbstleuchtenden Sterne großteils nicht aus schweren Elementen bestehen, sondern in erster Linie aus Wasserstoff und Helium. Anfänglich wurde Payne-Gaposchkin von Professoren hart kritisiert, heute wissen wir, dass ihr eine der wichtigsten Entdeckungen der Astronomiegeschichte gelungen ist.

Dorothy Crowfoot Hodgkin, Nobelpreisträgerin und Mutter von drei Kindern, war promovierte Chemikerin. Sie war die erste, die mit Hilfe der Röntgenstrukturanalyse die räumliche Gestalt der Moleküle Pepsin, Cholesterin, Penicillin, Vitamin B-12 und Insulin entschlüsselte.

Auch unter den Astronautinnen gibt es bemerkenswerte Frauen und Mütter. Matilda Shannon Wells Lucid (* 1943) hat das Doktorat in Biochemie, hat drei Kinder geboren und flog insgesamt  fünfmal (!) ins All. Sie wurde berühmt, nachdem sie über ein halbes Jahr auf der russischen Raumstation Mir zugebracht hatte.




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz