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24 STUNDEN-BAHN


Im 17. Jahrhundert berechnete der Astronom und Mathematiker Johannes Kepler erstmals die Planetenbahnen. Seither wissen wir, dass sich Planeten in Form von Ellipsen bewegen. In Sonnenähe sind sie schneller, weiter weg hingegen langsamer. Dieses Gesetz gilt für alle Himmelskörper, also auch für Satelliten. In erdnahen Bahnen umrunden Satelliten unseren Heimatplaneten in eineinhalb Stunden. Die Besatzung der Raumstation ISS erlebt den Tag- und Nachtrhythmus in Abständen von jeweils 45 Minuten. Satelliten, die weiter weg sind, wie etwa die in rund 20.000 km Höhe fliegenden GPS-Satelliten, bewegen sich schon deutlich langsamer. Jeder der 24 GPS-Satelliten umkreist die Erde genau zweimal am Tag. Um Ausfälle zu kompensieren, haben die Amerikaner zeitweise bis zu 31 Satelliten in Dienst gestellt.

In 36.000 km Höhe über dem Äquator gibt es eine besondere Bahn, die man 24 Stunden-Bahn oder geostationäre Bahn nennt. In dieser Höhe benötigen Satelliten einen Tag für eine Erdumrundung. Von der Erde aus gesehen scheinen sie still zu stehen, obwohl sie sich bewegen. Im Grunde handelt es sich um 36.000 Kilometer hohe Funk- und Fernsehtürme. Auf der geostationären Bahn bewegen sich Nachrichten- und Wettersatelliten, ohne die unser modernes Leben nicht mehr vorstellbar wäre. Ohne diese Roboter im All gäbe es kein Internet, kein Satellitenfernsehen, keinen schnellen globalen Geld- und Telefonverkehr und Wetterprognosen gäbe es nur für maximal 24 Stunden.

Die Ära der geostationären Satelliten begann vor 50 Jahren. Am 14. Februar 1963 wurde der erste Satellit der Syncomserie mit einer Thor Delta Rakete ins All geschossen. Die Sycom-Satelliten wurden von der Hughes Space and Communication Company (heute Boeing) gebaut. Die ersten Syncoms waren relativ klein. Sie waren zylinderförmig, hatten einen Durchmesser von 71 Zentimetern und eine Länge von 39 Zentimetern. Die Masse betrug ohne Treibstoff nur rund 40 Kilogramm. Heutige Nachrichtensatelliten sind tonnenschwer, haben die Größe eines Wohnmobils und mit ihren Fotovoltaikanlagen erreichen sie die Länge von Eisenbahnwaggons.

Syncom 1 war ein Fehlschlag, denn fünf Stunden nach dem Start ging wegen eines geplatzten Tanks der Funkkontakt verloren. Der technisch etwas verbesserte und kurz darauf gestartete Syncom 2 war schließlich ein Erfolg, er konnte bereits für Telefonverbindungen verwendet werden. Zurzeit sind knapp 300 geostationäre Satelliten gelistet. Sie tragen klingende Namen wie Amazonas, Astra, Echo Star, Eutelsat, Galaxy,  Intelsat, Meteosat, Spaceway, Thor usw. Es darf vermutet werden, dass militärische Nachrichtendienste zusätzlich Satelliten verwenden, die nirgendwo aufscheinen.




© 2013 Rudolf Öller, Bregenz