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SCHIESSWÜTIGE PHYSIKER


Von Naturwissenschaftlern, die auf den ersten Blick wie knochentrockene Typen daherkamen, in Wahrheit so schräg waren wie Kabarettisten, war in dieser Kolumne schon öfters die Rede. Anlässlich des Jahreswechsels seien einige weitere Begebenheiten erzählt.

Der Quantenphysiker und Nobelpreisträger Niels Bohr hatte über seinem Wochenendhaus ein Hufeisen hängen. Einer seiner Freunde meinte, dass er nicht gewusst habe, dass Niels abergläubisch sei. Bohr entgegnete, dass er tatsächlich nicht abergläubisch sei, dass das Hufeisen aber Glück bringe, auch wenn man nicht daran glaubt. Einmal unterhielt sich Bohr mit seinen Freunden über Filme und bemängelte, dass Westernfilme viel zu unwahrscheinlich seien. „Also dass der Bösewicht mit dem hübschesten Mädchen davonläuft, das ist logisch. Dass die Brücke unter ihrer Last zusammenbricht, ist zwar unwahrscheinlich, kann aber akzeptiert werden. Dass die hübsche Heldin mitten über dem Abgrund hängen bleibt, das ist noch unwahrscheinlicher, aber ich akzeptiere auch das. Ich nehme sogar noch hin, dass gerade in diesem Moment Tom auf seinem Pferd daherkommt. Was aber mehr ist, als ich akzeptieren kann, das ist die Tatsache, dass genau in diesem Moment und an dieser Stelle ein Kerl mit einer Filmkamera steht, der das alles aufnimmt.“

Über den österreichischen Physiker Wolfgang Pauli, der regelmäßig ganze Nächte durchsoff und dabei nicht nur den Nobelpreis erarbeitete, sondern Wissenschaftsgeschichte schrieb, sei hier nicht viel erzählt, denn das könnte junge Physiker auf dumme Gedanken bringen. Viel lustiger ist die Geschichte von einem Treffen in Kopenhagen. 1930 konferierten dort die besten Quantenphysiker der Welt. Auch die beiden Nobelpreisträger Wolfgang Pauli und Werner Heisenberg waren bei den Vorträgen anwesend, und immer, wenn der Vortragende einen Fehler machte, blies Heisenberg in eine Trompete und Pauli feuerte zum Gaudium des Auditoriums eine kleine Kanone ab. George Gamov wollte einmal eine Theorie überprüfen, warum „die Guten“ in den Filmen bei Schießereien meist gewinnen. Er kaufte zwei Spielzeugrevolver. Er und Bohr schnallten sich die Dinger um und Gamov versuchte mehrmals am Tag Bohr „abzuknallen“. Bohr zog jedoch immer schneller als Gamov.
 
Die Russen waren ohnehin die schrägsten Vögel. Lew Landau, der gerne mit Bohr diskutierte, legte sich gelegentlich spontan flach auf den Boden. Bohr blieb cool, legte sich daneben und die Diskussion ging weiter. Der bereits erwähnte Quantenphysiker und Kosmologe George Gamov hatte eine besonders originelle Marotte. Er tauchte Hüte in flüssiges Helium, zerbrach die zu Eis erstarrten Kopfbedeckungen und schickte die Bruchstücke als Postkarte an Freunde.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz