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BUCHEMPFEHLUNG: ZAUBER


Richard Dawkins wandte sich nach seinen literarischen Scharmützeln mit den Religionen der Welt („Der Gotteswahn“) wieder den Naturwissenschaften zu, und das kann er den Lesern besser verkaufen als jeder andere Autor. Sein neues Buch ist unter dem Titel „Magic of Reality“ in Großbritannien erschienen, seit wenigen Wochen liegt die deutsche Übersetzung vor: Richard Dawkins, „Der Zauber der Wirklichkeit“, Verlag Ullstein. Das Buch wurde von Dave McKean, einem der besten Buchillustratoren der Welt, bebildert.

Dawkins hat sich ein fantastisches Thema vorgenommen. Er vergleicht uralte Mythen mit der Realität, ohne auf alte Legenden verächtlich hinabzublicken. Er widmet sich Fragen, wie etwa, warum es so viele Tier- und Pflanzenarten gibt, was die Sonne ist, wie ein Regenbogen entsteht, wie sich das Universum entwickelte, wie Erdbeben entstehen und was wir heute unter Zauber, Wirklichkeit und Wunder verstehen. Dawkins macht es sich nicht leicht, formuliert aber immer verständlich: „Wirklichkeit ist alles, was existiert. Das klingt doch einleuchtend, oder? Ganz so einfach ist es aber nicht. Was ist mit den Dinosauriern, die früher einmal existiert haben, heute aber nicht mehr? Oder mit den Sternen, die so weit weg sind, dass sie vielleicht schon erloschen sind, wenn ihr Licht uns erreicht und wir sie sehen können?“ Das Buch beginnt daher mit einer gut verständlichen Einführung in die Methoden von Biologie, Physik, Chemie und Astronomie.

Gut gelungen ist das Kapitel über die Entwicklung des Lebens, wobei Dawkins sich intensiv den Begriff des Zufalls vornimmt, denn hier gibt es immer noch große Missverständnisse. Viel Raum gehört auch der Frage, wer der erste Mensch war, wobei auch Schöpfungsmythen aus aller Welt vorgestellt werden. Interessant ist, dass die Autoren vor drei Jahrtausenden voneinander abgeschrieben haben, denn manche Mythen tauchen in alten Schriften mehrfach auf. Im Gilgamesch-Epos liest man, dass Gott Enlil eine Flut schicken wollte, weil er sich von den Menschen gestört fühlte. Wassergott Ea warnte aber Utnapischtim und riet ihm, ein sehr großes Schiff zu bauen, denn Utnapischtim sollte darin „den Samen aller Lebewesen“ mitnehmen. Das Schiff wurde gebaut, dann kam die Flut und vernichtete alles, was sich nicht ins Schiff retten konnte. Nach der Flut landete das Schiff und die Göttin Ischtar schuf den ersten Regenbogen als Zeichen der Versöhnung. Nach dieser (auch biblischen) Geschichte erklärt Dawkins, wie ein Regenbogen entsteht.

Das reichlich bebilderte Buch ist ein zauberhaftes Geschenk, nicht nur für naturwissenschaftlich Interessierte. Es ist ein Buch für die ganze Familie, es lässt die Wirklichkeit zum Wunder werden.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz