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DIE ZEIT: ZEITREISEN


Science Fiction-Romane sind voll von Zeitreisen, weil Einsteins Relativitätstheorie Zeitreisen angeblich „erlaubt“. Einsteins Gleichungen liefern für Überlichtgeschwindigkeiten imaginäre Zahlen, aber das hat mit Zeitreisen überhaupt nichts zu tun, denn erstens sind Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit mangels an Energie nicht machbar und zweitens könnte man den imaginären Zahlen in Einsteins Gleichungen irgendetwas andichten, wie etwa Wanderungen in der Unterwelt.

Es macht Spaß, sich eine Reise in die Vergangenheit vorzustellen. Wenn ich in die Vergangenheit reise, um als Wilderer meinen Urgroßvater zu erschießen, der ein pflichtbewusster Förster war, so ist eine Ursache für meine Existenz ausgeschaltet, ich kann daher nicht existieren. Wer aber hat dann meinen Urgroßvater auf dem Gewissen? Dieses simple Beispiel zeigt, warum Reisen in die Vergangenheit nicht möglich sind. Es gibt noch einen weiteren Grund für die Unmöglichkeit einer Reise zurück. Wenn ich – angenommen - fünfzig Jahre in die Vergangenheit reise, um mir ein Konzert der Beatles zu gönnen, dann müsste das Universum die gleiche Eigenschaft annehmen wie damals, sonst wäre es ja keine Zeitreise. Die Erdölvorräte waren größer, der Amazonas artenreicher, überhaupt wäre die Erde noch nicht so geplündert wie heute. Unsere Sonne müsste um rund sechstausend Billionen Tonnen schwerer sein als heute, da sie diese Masse in der Zwischenzeit verloren hat. Wenn es nicht gelingt, diesen ursprünglichen Zustand herzustellen, dann gibt es auch keine Zeitreisen. Science fiction-Autoren argumentieren, dass die Natur auf geheimnisvolle Weise Kopien von sich erzeugt, um bei einer Zeitreise zur Verfügung zu stehen. Diese Kopien müssten quasi im tiefgefrorenen Zustand unverändert bleiben, bis jemand kommt, sie in einer tausendstel Sekunde auftaut und in ihr weiter lebt. Es ist klar, dass die ernst zu nehmenden Physiker und Kosmologen diese Ideen als Hirngespinste verworfen haben.

Eine Zeitreise in die Zukunft ist auch nicht möglich. Alle Zeitreisenden könnten in der Zukunft die Fußballergebnisse und Aktienkurse aufschreiben, dann zurückreisen und das Wissen ausnutzen, was wahrscheinlich alle Glückspielbetreiber und die Börsen der Welt kollabieren ließe. Man könnte auch mit genialen Konstruktionsplänen aus der Zukunft zurückkommen und diese als Patent einreichen. Zeitreisen wären also eine Möglichkeit, ohne Fleiß und Können enormen Reichtum anzuhäufen: der Wunschtraum postmoderner Politiker und „Bildungsexperten“. Träumen darf man ja, denn vieles ist möglich, aber nicht alles. Physiker und Biologen investieren daher lieber in Wissen als in unerfüllbare Illusionen.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz