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BIBLISCHE WUCHT


Zu Weihnachten hören wir in den Kirchen die Geschichte von der Krippe, in manchen Familien wird sie sogar vor dem Christbaum gelesen. Zu Ostern wird die Leidensgeschichte des Jesus von Nazareth vorgetragen. Damit endet bei den meisten Zeitgenossen das Wissen über Bibeltexte. In Wahrheit ist die Bibel eine große Sammlung epochaler Geschichten, die man in den Kirchen nicht zu hören bekommt.

Interessanterweise kommt der Alkohol nicht zu kurz. In Genesis 9,20 wird von Noah – das war der Kapitän der Arche - als Trunkenbold berichtet, dem im Alkoholrausch peinliche Dinge passierten: „Er trank von dem Wein, wurde betrunken und lag nackt im Innern seines Zeltes. Ham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und berichtete es seinen beiden Brüdern draußen. Sem und Jafet nahmen das Obergewand und legten es auf ihre Schultern und gingen damit rückwärts und bedeckten so die Blöße ihres Vaters.“ Es ist erstaunlich, dass Gott einen Zechbruder beauftragt hat, die Menschheit und die Tierwelt zu retten.

Besonders heftig sind die biblischen Mordgeschichten. Kein Kriminalroman kann es mit den Büchern der Makkabäer aufnehmen. Man muss gar nicht lange suchen, weil auf jeder Seite Menschen umgebracht werden, wobei auch hier der Alkohol eine Rolle spielt. „Er veranstaltete für sie ein großes Gelage, hielt aber im Hintergrund einige Männer versteckt. Als Simeon und seine Söhne betrunken waren, sprangen Ptolemäus und seine Leute auf, griffen zu ihren Waffen, drangen zu Simeon in den Speisesaal ein und erschlugen ihn, seine beiden Söhne und einige aus seinem Gefolge. (1 Makkabäer, 16, 15-17). An anderer Stelle heißt es: „Gebt Acht! Wenn Amnon vom Wein guter Laune ist, werde ich zu euch sagen: Schlagt Amnon tot! Dann tötet ihn! Habt keine Angst, ich selbst habe es euch ja befohlen.“ (2 Samuel 13, 28).

König Holofernes, zufällig auch betrunken, musste seine Gier mit dem Leben bezahlen: „Holofernes wurde ihretwegen immer fröhlicher und trank so viel Wein, wie er noch nie zuvor in seinem Leben an einem Tag getrunken hatte. … Judit blieb allein im Zelt zurück, wo Holofernes, vom Wein übermannt, auf sein Lager gesunken war … Dann ging sie zum Bettpfosten am Kopf des Holofernes und nahm von dort sein Schwert herab … und sie schlug zweimal mit ihrer ganzen Kraft auf seinen Nacken und hieb ihm den Kopf ab.“ (Judit 12, 19).

Sogar von Parteiversammlungen ist in der Bibel die Rede. „Die einen schrien dies, die anderen das, denn in der Versammlung herrschte große Verwirrung, und die meisten wussten nicht einmal, weshalb sie zusammengekommen waren.“ (Apostelgeschichte 19, 32).

Philosophen, Autoren und Wissenschaftler haben zu allen Zeiten die Bibel gelesen. Sie kannten die Wucht dieses Werkes, das auch Unheiliges enthält.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz