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DIE AMERIKANISCHE KRANKHEIT


In den USA haben sich die Fettleibigkeit und die damit verbundene Diabetes-2-Erkrankung zu einer Seuche entwickelt. Großbritannien folgt zeitverzögert nach, in Mitteleuropa hat der verhängnisvolle Trend bei der Jugend bereits begonnen.

Dividiert man die Körpermasse in Kilogramm durch die Körpergröße zum Quadrat, so erhält man den Bodymassindex (BMI). Nehmen wir an, eine erwachsene Person mit 1,75 m hat 90 Kilogramm, dann gilt BMI = 90/1,75² = 29,4. Bei einem BMI über 30 gilt ein Patient als fettsüchtig, unter 18 als anorektisch (ausgezehrt). Jugendliche können in der Wachstumsphase vorübergehend unter 18 fallen. In den USA und Großbritannien sind Menschen mit einem krankhaften BMI über 35 keine Seltenheit mehr.

Im „National Diabetes Fact Sheet 2011“ findet man abenteuerliche Zahlen. 25,8 Millionen Kinder und Erwachsene in den USA, das sind 8,3 Prozent der Gesamtpopulation, haben Diabetes. Hochrechnungen, die aus Diagnosen und dem landesweiten Zuckerkonsum errechnet werden, zeigen, dass rund 80 Millionen US-Bürger an Diabetes im Vorstadium leiden. Die Verteilung der Geschlechter ist annähernd paritätisch. 13 Millionen Männer und 12,6 Millionen Frauen über 20 Jahren in den USA sind Diabetiker. Der Grund für die unheilvolle Entwicklung sind Fast Food, eine zu süße und zu fette Fertignahrung sowie überzuckerte Getränke von Cola bis hin zum Eistee. Übergewichtige, die auf Getränke mit Süßstoff ausweichen, kommen vom Regen in die Traufe, weil die damit bewirkte „irrtümliche“ Insulinproduktion zu Heißhungerattacken führt.

Ich bin ein bekennender New York-Liebhaber und kenne in Manhattan manche Ecke. Ich habe einmal nach Geschäften gesucht, in denen man „übliche“ Nahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Brot, Käse, Obst, Gemüse usw. einkaufen kann. Nur in der Central Station, einigen wenigen Geschäften und neben dem UNO-Gebäude auf der 1st Avenue bin ich fündig geworden. Gemüse und Obst sind in den Geschäften sehr teuer, überzuckerte Fertignahrung ist aber relativ billig. Das beweist, dass hier eine abnorme Subventionspolitik am Werk ist.

Gezuckerte und fette Fertignahrung, die leider auch bei uns auf dem Vormarsch ist, fordert einen hohen Preis. Diabetes Typ 2 erhöht enorm das Risiko für Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Hirnschlag, Impotenz, Nierenversagen und andere Gebrechen. Pro Jahr schätzt man die durch Diabetes und Pre-Diabetes bewirkten Kosten nur in den USA auf über 220 Milliarden Dollar. In Europa wäre die amerikanische Krankheit noch abzuwenden. Verbote sind dabei nicht nötig. Eine Verbesserung der Erziehung und eine Änderung der Subventionspolitik - weg vom Zucker hin zu gesunden Nahrungsmitteln – könnten eine Trendumkehr bewirken.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz