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PROCESSED FOOD


Zwei Meldungen der letzten Tage passen zusammen. Das Rote Kreuz Vorarlberg hat einen Krankentransporter für Schwergewichtige angeschafft. Patienten mit bis zu hundert Kilogramm waren bisher kein Problem, aber „Brocken“ jenseits der 110 Kilogramm nehmen zahlenmäßig konstant zu. Verantwortlich dafür ist nicht nur Bewegungsmangel, sondern auch eine zu süße und zu fettige Nahrung. Die bekannte Verbraucherorganisation „Foodwatch“ (www.foodwatch.de) hat für einen ihrer letzten Berichte 1.500 Kinderlebensmittel untersucht und festgestellt, dass die meisten aus süßen und fetten Snacks bestehen, egal ob als „Bio“ oder konventionell bezeichnet. Die Studie behauptet, dass eine ausgewogene Ernährung aus den als Kinderlebensmitteln deklarierten Produkten nicht zusammengestellt werden kann. Foodwatch zählt mehrere schlimme Beispiele auf. So ist beispielsweise das Missverhältnis zwischen Werbung und Inhalt bei Frühstücksflocken besonders auffallend. Egal ob Bio oder konventionell - 96 Prozent (!) der untersuchten Produkte gehören in die "rote" Kategorie, weil sie zu 25 bis 50 Prozent aus Zucker bestehen.

„Processed food“, also fertige Nahrungsmittel und Getränke mit hohem Zuckeranteil, sind weltweit auf dem Vormarsch und zeichnen verantwortlich für die bisher tödlichste aller Epidemien. Es ist nicht Aids, sondern Diabetes Typ 2. Processed food ist eine mächtige Industriesparte mit einer eigenen Homepage (www.foodprocessing.com), deren Tipps und Anregungen bemerkenswert sind.

Unsere Zellen benötigen das Hormon Insulin, um Zucker aus dem Blut aufnehmen zu können. Der Körper produziert mehr Insulin, wenn mehr gegessen wird. Bei Übergewicht und besonders bei Bewegungsmangel kann es zur Insulinresistenz kommen. Zucker gelangt kaum noch in die Zellen. Zur Überwindung dieses Mangels beginnt die Bauchspeicheldrüse, unablässig Insulin zu liefern. Bei entsprechender genetischer Veranlagung kommt es schließlich zur Erschöpfung der Insulinproduktion. Wegen der verminderten Insulinausschüttung steigt der Blutzuckerspiegel, es kommt zu Diabetes mellitus Typ 2. Der Anstieg des Blutzuckers wird zu Beginn nicht bemerkt, denn erst ab einer bestimmten Konzentration im Blut gelangt der Zucker in den Harn. Der hohe Zuckerspiegel vergiftet nicht nur den Körper, er führt auch zu chronischer Müdigkeit. Ein Teufelskreis aus Blutzucker und Bewegungsmangel beginnt. Die Lebensqualität sinkt, ein früher Tod wartet. In den USA sind sich die Experten einig, dass die junge Generation – ernährungsbedingt - die erste in der Menschheitsgeschichte sein wird, deren Lebenserwartung unter dem der Elterngeneration liegt.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz