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JOHN GLENN


Der im Westen völlig unbekannte ukrainische Raketenbauer Sergei Koroljow hatte in aller Stille einen Satelliten bauen lassen. Als die Entwicklung russischer  Atomsprengköpfe ins Stocken geriet, hatten die sowjetischen Raketeningenieure vorübergehend wenig zu tun. Koroljow fragte also beim kommunistischen Politbüro in Moskau an, ob er mit einer für den Atomkrieg entwickelten Rakete einen Satellitentest durchführen dürfe. Das wurde bewilligt, ohne zu ahnen, welche Konsequenzen das haben sollte. Am 4. Oktober 1957 wurde „Sputnik-1“ an der Spitze einer modifizierten atomaren Interkontinentalrakete vom Typ „Semjorka R-7“ in eine Erdumlaufbahn geschossen. Die Amerikaner wussten nun, dass die Kommunisten jeden Punkt der Erde mit Atombomben erreichen konnten. Bereits im zweiten Satelliten der Russen saß die Hündin „Leika“. Der Schock in den USA hätte nicht größer sein können.

Die Amerikaner versuchten in der Folge, den Rückstand aufzuholen und gründeten am 29. Juli 1958 die zivile und militärische Bundesbehörde für Luft- und Raumfahrt „National Aeronautics and Space Administration“ - kurz NASA. Am 4. Jänner 1959 folgte der zweite Schock. Die Sowjets starteten an diesem Tag die Mondsonde „Lunik 1“. Während Satelliten die Erde mit rund 28.000 km/h umkreisen, müssen Raumsonden auf mindestens 40.500 km/h beschleunigt werden, um ins All hinauszufliegen. Die Sowjets signalisierten den USA damit, dass sie über konkurrenzlos starke Raketen verfügten. Der nächste Schock folgte am 12. April 1961, als Juri Gagarin als erster Mensch im Weltall die Erde umkreiste. Am 6. August 1961 folgte der bis heute jüngste Raumfahrer aller Zeiten. Es war German Titow, der damals erst fünfundzwanzig Jahre alt war.

Die Amerikaner mussten reagieren, hatten aber die Entwicklung leistungsstarker Raketen verschlafen. Nach Sputnik 1 und 2 schoss die NASA den Satelliten Explorer 1 mit Hilfe einer atomaren Interkontinentalrakete in eine Umlaufbahn. Explorer war ein Winzling im Vergleich zu den Sputniks der Russen. Am 31. Jänner 1961 flog der erste Amerikaner ins All, es war der Schimpanse „Ham“. Es folgten im Mai und Juli die Astronauten Alan Shepard und Virgil „Gus“ Grissom, die die Erde aber nicht umkreisten, sondern nur einen ballistischen Flug absolvierten, ähnlich einer Kanonenkugel.

Vor fünfzig Jahren, am 20. Februar 1962, gelang den Amerikanern der Anschlusstreffer, um es sportlich auszudrücken. Der Luftwaffenpilot John Glenn umkreiste mit seinem Raumschiff „Mercury 6“ dreimal die Erde. Dieser Achtungserfolg spornte die Amerikaner an. Sie bauten stärkere Raketen und schlossen in wenigen Jahren im Rennen um die Weltraumtechnik zu den Russen auf.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz