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HACKER


Kevin Mitnick, Mitglied der berüchtigten „Roscoe Gang“ und in der amerikanischen Hardcore-Hackerszene bekannt als „Condor“, war der prominenteste und meistgefürchtete Computerhacker in den USA, bevor er Geschäftsführer einer Computersicherheitsfirma wurde. 1988 wurde er erstmals inhaftiert. Er verbrachte mehrere Jahre in Gefängnissen, denn Mitnick war es gelungen, in die am besten gesicherten Computersysteme der USA einzubrechen. Nach seiner rund fünfjährigen Haft betätigte er sich schließlich als Autor und Sicherheitsberater. Mitnick genießt noch heute in seiner Fangemeinde ein enormes Ansehen. Seine Person wurde sogar in berühmten Computerspielen wie „Grand Theft Auto – San Andreas“ verewigt. Mitnicks bekanntestes Buch ist „The Art of Deception“ (Die Kunst der Täuschung). Darin beschreibt er anschaulich, wie man an geheime Informationen gelangt. Die einfachste Methode liegt darin, Papiercontainer von Firmen zu durchsuchen. Sekretärinnen und ihre Chefs werfen oft Papiere aller Art weg, die von privaten Ermittlern aus Mülltonnen in Firmenhöfen geborgen werden. Rund vierzig Prozent aller geheimen Informationen, wie etwa Firmenkonten, Kreditkartennummern und Passwörter geraten so in die Hände von Hackern.

Eine weitere Methode ist das „Social Engineering“. Man gibt sich bei einer Sekretärin beispielsweise als Netzwerktechniker aus und ersucht – nur für vorübergehende Testzwecke versteht sich - um Bekanntgabe des Supervisor-Passwortes. Kaum zu glauben, dass dreißig Prozent aller Geheiminformationen mit dieser Methode in die Hände der Hacker geraten, denn die Leichtgläubigkeit von Firmenmitarbeitern ist bisweilen verblüffend. Auch die Namen von Ehefrauen und anderen Angehörigen, oft kombiniert mit markanten Datumsangaben, werden als Passwörter verwendet, wodurch sie für Computerkriminelle eine leichte Beute sind.

Der berühmte Physiker und spätere Nobelpreisträger Richard Feynman hatte als junger Mann im atomaren Forschungszentrum Los Alamos bemerkt, dass Panzerschränke immer mit den gleichen Zugangscodes ausgeliefert wurden. In den meisten Fällen wurden diese Codes nie geändert, wodurch es für Feynman leicht war, die Safes zu öffnen. Nach einigem Herumprobieren fand er sogar mehrere Methoden, Safes zu öffnen, deren Codes geändert worden waren. Gefürchtet wurde Feynman, als er in der Uranfabrik in Oak Ridge erschien. Es war Sonntag, die Sekretärin war nicht erreichbar und der zuständige Offizier kannte den Code für den Safe nicht. Feynman öffnete den Schrank mit den damals geheimsten Atomwaffenplänen der USA in zehn Minuten. Scharfe Intelligenz war immer schon der gefährlichste Feind aller Sicherheitsbestrebungen.




© 2012 Rudolf Öller, Bregenz