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TAUSEND SONNEN


„Heller als tausend Sonnen“ (Untertitel: „Das Schicksal der Atomforscher“) ist der Titel eines Buches des Physikers Robert Jungk. Es ist 1956 erschienen und hatte die Entwicklung der Atombombe im Rahmen des amerikanischen Geheimprojekts „Manhattan Engineer District“ zum Inhalt. Parallelen zu Friedrich Dürrenmatts Drama „Die Physiker“ sind erkennbar. In diesem Theaterstück geht es um die fundamentale Erkenntnis, dass „Denkbares nicht geheim gehalten werden kann“ und Menschen das tun, was sie tun können.

Der Dezember als Monat des Advents sollte in christlichen Ländern eigentlich „die stillste Zeit des Jahres“ sein, wie der österreichische Heimatdichter Karl Heinrich Waggerl einmal schrieb, doch mit Ruhe hat der Advent längst nichts mehr zu tun. Der Dezember ist nicht nur der Monat, in dem die Händler das Geschäft des Jahres erhoffen, er hat auch etwas Atomares an sich.

Zwei Tage vor dem Weihnachtsfest 1938 entdeckte Otto Hahn in Berlin zufällig die Atomkernspaltung. Er hatte Uranatome mit Neutronen beschossen und hoffte, damit schwerere Atomkerne zu erhalten. Nachdem er seine Kollegin Lise Meitner ersucht hatte, die Resultate zu deuten, wurde ihnen klar, dass sie die Atomkernspaltung entdeckt hatten. Eine kleine Handvoll Atomphysiker wusste sofort, was das bedeutete. Ausgerechnet in Berlin, unweit von Hitlers Reichskanzlei, war es erstmals gelungen, den Atomkern und seine Energie zu entriegeln. Zwei Physiker in den USA drängten daraufhin Albert Einstein, einen Brief an Präsident Roosevelt zu schicken und ihm den Bau einer Atombombe vorzuschlagen. Einstein unterzeichnete tatsächlich einen Brief und beteuerte später, dass er nichts in seinem Leben so bereut habe. Sein Misstrauen gegenüber Regierungen beschränkte sich nicht auf die Nationalsozialisten in Berlin.

Der vor Benito Mussolini in die Staaten geflohene Atomphysiker Enrico Fermi errichtete im Keller eines Sportstadions der Universität Chicago einen kleinen Atomreaktor um eine atomare Kettenreaktion zu testen. Dieser Nachweis gelang am 2. Dezember 1942 um drei Uhr nachmittags. Die erste Atombombe detonierte schließlich am 16. Juli 1945 in der Wüste von New Mexico.

Zurzeit beschäftigt sich Europa mit der Bewältigung der von mehreren Politikergenerationen verursachten Schuldenkrise und übersieht dabei in der „stillsten Zeit im Jahr“ eine weitere Bedrohung. Es ist die iranische Atombombe, an der laut der internationalen Atomenergieagentur gearbeitet wird. Niemand will sich heute vorstellen, was eine Massenvernichtungswaffe in den Händen eines aggressiven Regimes bedeutet, das islamistische Terroristen unterstützt und die „Ausradierung“ der Atommacht Israel zum Ziel hat.




© 2011 Rudolf Öller, Bregenz