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JAKOBINER (3)


Seit den Neunzigerjahren ist „Inspektor DNA“ die weltweit wirksamste kriminologische Methode. Die DNA-Analyse ist deshalb so erfolgreich, weil wir Menschen verschieden sind. Eine DNA (das Molekül unserer biologischen Erbmasse) ist individuell einzigartig – ein Dokument der Vielfalt.

Zu allen Zeiten in der Geschichte hat es mächtige Leute gestört, dass das Volk so widerspenstig unterschiedlich war. Die Menschen haben verschieden gedacht, verschieden gehandelt, waren unterschiedlich intelligent und unterschiedlich erfolgreich. Es gab sowohl harmlose Philosophen als auch böswillige Despoten, die da meinten, man müsse die Menschen zur Gleichheit zwingen, notfalls mit Gewalt. Letztere Ideologie vertraten die Jakobiner während der französischen Revolution.

Biologen wissen seit mindestens fünfzig Jahren, dass die natürliche Verschiedenheit in allen Populationen, und dazu zählen auch wir Menschen, überaus hoch ist. Die Natur hat uns hinsichtlich Aussehen und Fähigkeiten verschieden gemacht. Ändert man nun die Umweltbedingungen, indem man beispielsweise den Wohlstand erhöht, die Berufsausbildung verbessert usw., dann verschieben sich die Verteilungen in die eine oder andere Richtung, denn die Umwelt formt uns alle, aber die Unterschiede bleiben bestehen. Sollen Individuen möglichst gleich gemacht werden, so gäbe es nur eine einzige Möglichkeit: Gezielte Züchtung. Auf diese Weise konnte und kann man Monokulturen und Hochleistungstiere erzeugen. Menschen kann man – ausgenommen in Science Fiction Romanen wie „Brave New World“ – natürlich nicht züchten, daher sind bis heute alle politischen Versuche der Gleichschaltung gescheitert.

Der alte Philosophentraum vom „homo novus”, der jakobinische „l’homme nouveau” der französischen Revolution, der „Übermensch” des Friedrich Nietzsche, die nationalsozialistische „völkische Lichtgestalt”, der „new man” der englischen Sozialutopisten, der klassenbewusste Proletarier der Marxisten und der islamistische Gotteskrieger als Gründertyp eines weltweiten Gottesreiches waren und sind nichts als Hirngespinste, weil es Utopisten, Tyrannen und religiösen Fanatikern an naturwissenschaftlichen Kenntnissen mangelt. 

Gleichheit und Chancengleichheit sind unterschiedliche Kategorien. Letztere ist in einer Demokratie unerlässlich, doch die politische Umsetzung ist eine Gratwanderung, denn “summus ius, summa iniuria“ wussten schon die Römer: Je umfassender die Regelungswut eines Staates ist, desto mehr verliert Gerechtigkeit ihre Wirkung. Der erzwungene Weg zur Gleichheit mündet immer in Gewalt. Jakobiner, Nationalsozialisten und Kommunisten haben das drastisch demonstriert.




© 2011 Rudolf Öller, Bregenz